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Namenchristen noch jetzt. Fragt man sie, ob Christus ihr Herr sei? so sind sie bereit auszurufen: Behüte uns Gott, daß es anders wäre! Freilich ist er unser Herr! – Wohlan denn! Haltet ihr aber auch seine Gebote? – O Nein! Wie könnten wir das? – Wie dürft ihr euch denn seine Jünger nennen? – Es ist unmöglich! antworten sie. Wie kann man verlangen, daß wir seine Gebote halten sollen? Das kann ja kein Mensch. – Wie? Es wäre unmöglich, das zu thun, ohne dessen Ausübung Christus es für unmöglich erklärt, ein Christ zu seyn? Ist Christus denn unbillig? Wird er „da ernten wollen, wo er nicht gesäet hat?“[1] oder etwas von uns verlangen, wozu er uns keine Fähigkeit gab? – So geht es zu, daß die falschen Christen mit Judas Christum ihren Herrn und Meister nennen, zu gleicher Zeit aber mit dem bösen Haufen der Welt sich verbinden, um ihn zu verrathen; daß sie ihn umarmen und küssen, soweit ein scheinbares Namenbekenntniß reicht, ihn aber treulos verkaufen, sobald es darauf ankommt, ihre herrschende Leidenschaft, der sie am meisten nachhängen, zu befriedigen.

§. 6. Möchte doch Keiner seine eigene Seele betrügen! „Man kann nicht Trauben von Dornen, oder Feigen von Disteln sammeln.“[2] Ein Wolf ist kein Lamm, und ein Geier keine Taube. Zu welcher äußern Religionsform, zu welcher religiösen Gesellschaft, oder zu welcher Kirche du dich auch bekennest, so ist es eine an dich und alle Menschen gerichtete Wahrheit Gottes, daß Diejenigen, welche die Form und den Schein der Gottseligkeit haben, aber durch ihr ungöttliches Leben


  1. Matth. 25, 24.
  2. Matth. 7, 16.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/016&oldid=3378249 (Version vom 1.8.2018)