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Folgerungen, haben das unsrige nicht abgeschreckt, sondern vielmehr noch gereizt; so, daß die Menschen unserer Zeit den alten Vorrath von Gottlosigkeit noch mehr angehäuft haben. Ja, sie haben die ihnen gegebenen bösen Beispiele so sehr übertroffen, daß sie, statt in bessern Zeiten Fortschritte in der Tugend zu machen, auf eine abscheuliche Art tief unter die Heiden herabgesunken sind. – Sie haben ihren Hochmuth, ihre wollüstige Ausgelassenheit, Unreinheit und Trunkenheit, ihr Fluchen, Schwören und Lügen, ihr Neiden und Verleumden, ihre Grausamkeit, Falschheit, Habsucht, Ungerechtigkeit und Unterdrückung, so allgemein verbreitet, und mit einem erfinderischen Geiste so hoch getrieben, daß sie darin den Ungläubigen zum Anstoße und Aergernisse gedient, und ihnen die stärkste Veranlassung gegeben haben, die heilige Religion mit Verachtung zu betrachten, für welche sie durch gute Beispiele der Christen hätten gewonnen werden können.

§. 4. Diesen traurigen Abfall von der ursprünglichen Reinheit der ersten Zeiten des Christenthums, als der Ruhm desselben in dem reinen Lebenswandel seiner Bekenner bestand, kann ich nicht anders als den zweiten und furchtbarsten Theil des Trauerspiels betrachten, welches die Juden mit dem glorreichen Heilande des Menschengeschlechts begannen. Diese, die durch die Macht der Unwissenheit, und der großen Vorurtheile, die sie gegen seine in den Augen der Welt unansehnliche Erscheinung hatten, so verblendet waren, daß sie ihn, als er erschien, nicht annehmen wollten, verfolgten ihn jedoch nur zwei oder drei Jahre, bis sie ihn zuletzt an einem Tage kreuzigten. Allein die Grausamkeit der falschen

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/013&oldid=3378246 (Version vom 1.8.2018)