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Errichtung der öffentlichen Gebäude in Nikopolis beisteuerte, das von Augustus zur Erinnerung an seinen Sieg über Antonius in der Nähe von Aktium gegründet worden war, in die Zeit bald nach 30 v. Chr. fallen, da die erste Feier der aktischen Spiele im J. 28 v. Chr. in Nikopolis (s. Reisch in Pauly-Wissowas Realencykl. Bd. I S. 1213 s. Aktia) die Stadt als im wesentlichen vollendet voraussetzt, vielleicht die Einweihungsfeier bedeutet. Zumeist sind uns aber diese Huldbeweise ans Ausland zeitlos überliefert (auch in den antiquitates, s. S. 11*), und wir werden wohl nicht fehlgehen, wenn wir die große Reihe der Schenkungen erst in der zweiten Periode seiner Regierung beginnen lassen. Denn in der chronologischen Darstellung der antiquitates finden wir die Hilfstätigkeit des Königs nach den Angaben für das J. 40 v. Chr. zum erstenmal wieder anläßlich der großen Hungersnot vom J. 25/4 v. Chr. erwähnt, die damals dem unter der Dürre ebenso wie Palästina leidenden Syrien durch umfangreiche Getreide- und Saatfruchtlieferungen zugute gekommen ist (ant. Iud. XV 311–314; s. auch bell. Iud. I 424), und erst bei der Darlegung der Ereignisse des J. 23 v. Chr. ist eine kurze kritische Würdigung seiner großen Spenden an fremde Städte und Völker – sie bestanden zumeist in der Errichtung großer Bauwerke – eingeschaltet.

Außer dem, was soeben im Anschluß an die Reise des Agrippa gesagt worden ist, wissen wir vor allem von den verschiedensten von H. errichteten Nutz- und Luxusbauten für die Seestädte der syrisch-phönikischen Küste; so sind von ihm in Laodikeia, Tripolis, Byblos, Berytos, Sidon, Tyrus, Ptolemais und Askalon Stadtummauerungen Marktanlagen, Kanalisationen, Bäder, Gymnasien, Tempel, Säulenhallen und Theater errichtet worden. Aber auch die beiden großen syrischen Binnenstädte, Damaskos und Antiochien, haben die fürstliche Freigebigkeit des Königs erfahren; die Hauptstraße Antiochiens ist auf seine Kosten besonders kostbar gepflastert und zu beiden Seiten mit Säulengängen geschmückt worden (s. auch Dio Chrysost. XLVII 16). Von ferner gelegenen Gemeinden hat er Rhodos ausnehmend reichlich bedacht; er ließ hier den abgebrannten Tempel des pythischen Apollo auf seine Kosten wieder aufrichten und steuerte des öfteren Gelder für den Bau der rhodischen Flotte bei. Auch andere berühmte Centren des Griechentums wie Athen, Sparta und Pergamon sind von H. reich beschenkt worden; um Athen scheint er sich mehrere Male verdient gemacht zu haben, da das athenische Volk ihn durch zwei Ehreninschriften geehrt hat (Dittenberger Syll. (or.) I 414; IG III 551. Schürer I³ 391, 72 und 724 und ebenso andere wollen zwar die zu zweitgenannte Inschrift nicht auf den ersten H., sondern auf den König Herodes von Chalkis beziehen, weil die Titulatur der Inschriften verschieden sei, in der ersten Φιλορώμαιος, in der zweiten Εὐσεβὴς καὶ Φιλοκαῖσαρ. Die Beziehung auf Herodes von Chalkis erscheint mir jedoch ausgeschlossen, weil dieser nach seinen Münzen den offiziellen Titel Φιλοκλαύδιος und gerade sein Bruder Agrippa I. den Titel Φιλοκαῖσαρ [RE:75] geführt hat. Für den ersten H. – ein weiterer König H. kommt für die Inschrift nicht in Betracht – ist dagegen die Bezeichnung als [78] Φιλοκαῖσαρ sehr wohl verständlich; er hat eben durch sie das zuerst von ihm geführte Φιλορώμαιος ersetzt, welches er sich wohl in der Zeit vor der Alleinherrschaft des Augustus als Beinamen gewählt hatte und vielleicht auch noch einige Zeit während dieser beibehalten haben mag. Man vgl. zu diesem Wechsel der Beinamen die wechselnden Beinamen der Partherkönige auf ihren Münzen).

Außer Geldern für Bauten wird als häufige Gabe des H. auch die Überweisung von Ländereien u. dgl. erwähnt, und besonders interessant sind seine einmaligen Zuwendungen und Kapitalstiftungen (ἐπετήσιοί τε καὶ διηνεκεῖς πρόσοδοι für verschiedene griechische Gymnasien und für die olympischen Spiele. Durch die ersteren – nur für eine Stiftung, nämlich die für Kos, wird auch der Ortsname angegeben – sollte das immer kostspieliger werdende Amt des Gymnasiarchen vor allem von den Aufwendungen für Ehrenpreise entlastet werden (vgl. z. B. Inschriften von Delos Bull. hell. XIII 413. XXXIV 146 Nr. 34); durch die Stiftung eines Kapitals für Olympia, wo er einmal sogar gelegentlich einer Reise nach Rom als ἀγωνοθέτης bei den Olympien fungierte und als solcher natürlich mehr oder weniger die Kosten der Feier bestritt, wollte er den in Verfall geratenen Spielen wieder dauernd ihren Glanz sichern (s. Ziebarth Ztschr. f. vergl. Rechtsgesch. XVI 277f.). Diese Stiftung für Olympia fällt allerdings schon aus unserer Periode heraus ins J. 12 v. Chr. (Ziebarth a. a. O. setzt sie irrig ins J. 15 v. Chr.; dies ist jedoch unmöglich, da H. gelegentlich einer Romreise die Agonothesie für die gerade zu feiernden Spiele übernommen hat und für das Jahr 15 v. Chr. keine Romreise bezeugt ist [bell. Iud. I 427: ἀγωνοθέτης, ἧς ἐπέτυχεν πενταετηρίδος εἰς Ῥώμην, παραπλέων ἐγένετο; ant. Iud. XVI 149 gegen Schluß]; über die Romreisen des H. und ihre Zeit s. S. 126 Anm.).

Schließlich sei hier noch, wenn auch sie wie vielleicht auch einige der vorhererwähnten Spenden erst in die letzten Jahre des Königs fallen, der riesigen Geschenke gedacht, die H. zwei Ausländern, die seinen Hof besuchten, dem kappadokischen König Archelaos und seinem Gefolge, sowie dem Spartaner Eurykles, gemacht hat: der erstere hat außer Eunuchen und einer Beischläferin – echt orientalischen Gaben – noch einen goldenen mit Edelsteinen verzierten Thronsessel und 70 Talente (bell. Iud. I 511; ant. Iud. XVI 269), der andere neben verschiedenen Geschenken 50 Talente erhalten (bell. Iud. I 514. 530; ant. Iud. XVI 301. 309). Für die Spenden des H. ans Ausland vgl. außer dem schon Zitierten noch bell. Iud. I 422–428; ant. Iud. XVI 146–149; vgl. auch XV 328–330.

Ebenso wie die Schenkungen des Königs ans Ausland darf man wohl auch die meisten der großartigen Bauten, die er in seinem eigenen Reiche errichtet hat, und deren Reste noch heute unsere Bewunderung erregen, in die zweite Periode seiner Regierung setzen, wenn auch hier ebenso wie dort vieles undatiert überliefert ist; beides zusammen ist wohl besonders geeignet den damaligen Glanz des herodischen Regiments zu illustrieren. Von Bauten in Palästina, die in [RE:76] die ersten 10 Herrschaftsjahre fallen, lassen sich

Empfohlene Zitierweise:
Walter Otto: Herodes. Beiträge zur Geschichte des letzten jüdischen Königshauses. Metzler, Stuttgart 1913, Seite 77. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Otto_Herodes.djvu/059&oldid=- (Version vom 1.8.2018)