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sicher die Anlage des nach seiner zweiten Gemahlin Mariamme benannten Forts (bell. Iud. II 439, V 170, VII 1) und wohl auch die Aufführung der dem Mariammeturm nahegelegenen Forts Phasael und Hippikos (bell. Iud. I 418. II 46. 439. V 161ff. VII 1. ant. Iud. XVI 144. XVII 257. Für Hippikos s. meinen Artikel über ihn in Pauly-Wissowas Realencykl. VIII 1717. Erst um 33 v. Chr. ist die Sicherung der Herrschaft wenigstens so weit vorgeschritten gewesen, daß von jetzt an jahrzehntelang die innere Ruhe nicht mehr durch große offene Rebellionen gestört worden ist.

Ebenso schwierig wie die innere Lage war in den 30er Jahren auch die Stellung des Staates nach außen. Von dem Schutzherrn Rom hatte man zwar nichts zu fürchten; auch die Parther sind in all diesen Jahren dem Könige, dem die Befreiung des Hyrkanos aus seiner Gefangenschaft zur Anknüpfung diplomatischer Beziehungen sehr erwünscht gewesen sein mag, nicht gefährlich geworden, wohl aber drohte ihm große Gefahr von Kleopatra. Schon ihre enge Verbindung mit Alexandra kennzeichnet sie als seine Gegnerin. Ob auch persönliche Gründe hierfür maßgebend gewesen sind, wird sich kaum beweisen lassen, jedenfalls sind aber die politischen in den Vordergrund zu stellen. Kleopatra erstrebte die Wiedergewinnung des alten dereinst Ägypten entrissenen Gebietes in Syrien und hat sofort nach ihrer Vereinigung mit Antonius im Winter 37/6 v. Chr. dementsprechende [RE:43] Wünsche an Antonius gerichtet; so hat sie damals auch Judäa als alten ägyptischen Besitz von ihm verlangt. Antonius hat jedoch ihr Verlangen nur teilweise befriedigt; auch von dem Königreiche des H. hat er ihr nur einen Bezirk zugesprochen, allerdings einen besonders wertvollen, die reiche Landschaft um Jericho mit ihren im Altertum hochberühmten Palmen- und Balsampflanzungen (bell. Iud. I 359–362; ant. Iud. XV 88–96. Plut. Ant. 36. Cass. Dio XLIX 32. Über die Landschaft bei Jericho s. Schürer I³ 380, 37. Über den Umfang des damals H. genommenen Gebiets s. Kromayer a. a. O. 580, 3). Diese Schenkung ist noch in der ersten Hälfte des J. 36 v. Chr. erfolgt, als Kleopatra mit Antonius in Syrien weilte [1].

Auf der Rückreise nach Ägypten, die sie allein antrat, da Antonius inzwischen gegen die Parther aufgebrochen war, hat sie auch Judäa berührt. Hier soll sie ihre Netze auch nach H. ausgeworfen haben; dieser hatte sie jedoch nicht nur mit Unwillen zurückgewiesen, sondern habe sogar an ihre Beseitigung gedacht und sei nur mit Mühe durch seine φίλοι hiervon abgebracht worden (ant. Iud. XV 96–103). Wieweit diese novellenartige Erzählung tatsächliche Vorgänge wiedergibt, wird sich kaum entscheiden lassen. (Das genaue Detail über die Gedanken des H., sowie über die Gegengründe der φίλοι würde sich besonders gut erklären, wenn man hier die Memoiren des H. als letzte Quelle annähme [ähnlich Renan V 258]; s. auch das ex eventu gesprochene Urteil über Kleopatra und vgl. den Inhalt des erdichteten Briefes § 74ff., sowie die spätere Behauptung des H., er habe nach


  1. Die Zeit der Schenkung hat Kromayer a. a. O. 571ff. richtig bestimmt; Schürer I³ 362, 5 Einwände dagegen und sein Festhalten an seiner alten Datierung auf 34 v. Chr. sind nicht berechtigt, zumal auch Josephus nicht, wie noch Kromayer dem Schürerschen Standpunkt zugesteht, die Schenkung ins J. 34 v. Chr. setzt. Kromayer geht bei seiner Annahme, wie alle anderen, davon aus, daß Josephus in diesem Abschnitte die chronologische Folge innegehalten habe und daß er die Schenkung, da er sie nach der Reise der H. nach Laodikeia erzählt, auch zeitlich nach ihr angesetzt habe. Aber dem ist nicht so. Wie schon Kromayer richtig hervorgehoben WS: Die auf der nächsten Seite fortgesetzte Anmerkung wurde hier vervollständigt hat (auf die Angabe des Zieles des Feldzuges, vor dem die Schenkung erfolgt ist, mit ‚εἰς Ἀρμενίαν‘ in § 96 ist nichts zu geben, da bell. Iud. I 362 das Ziel desselben Krieges mit ‚Πάρθοις‘ angegeben wird; vgl. bezüglich derartiger Verwechslungen auch bes. § 363), passen alle Einzelangaben des Josephus auf das J. 36 v. Chr., das sich aus Plutarch und Cassius Dio mit Sicherheit als Schenkungsjahr ergibt. Die Aporie hebt sich nun aufs einfachste, wenn wir in diesem Abschnitt des Josephus, wie so manchmal, die sachliche und nicht die streng chronologische Darstellungsform als zugrunde liegend annehmen. Josephus hat nämlich – ebenso wie ich oben im Text – zuerst alle mit den inneren Verhältnissen verknüpften Begebenheiten von 37 v. Chr. bis etwa 34 v. Chr. im Zusammenhang dargestellt (dies geht bis ant. Iud. XV 87) und sich dann erst der Schilderung der äußeren Lage des Staates in diesen Jahren zugewandt. Gegen diese Lösung des Problems darf nicht ant. Iud. XV 79 angeführt werden, wo Josephus anläßlich der Zusammenkunft von Laodikeia berichtet, Antonius habe der Kleopatra ihre Bitte um Judäa abgeschlagen und ihr nur Koilesyrien zugestanden. Denn Josephus greift hiermit nicht etwa seiner späteren Erzählung der äußeren Ereignisse vor und bietet nicht ein der später berichteten Hauptschenkung vorhergegangenes Ereignis (so Schürer a. e. a. O.), sondern er gibt an dieser Stelle nur den Inhalt jenes Briefes des H. wieder, der von diesem später fingiert worden ist (s. S. 3 *); daß in diesem auch das damalige Hauptproblem der auswärtigen Politik, die Vergrößerungsgelüste der Kleopatra, zur Sprache gebracht wird, braucht nicht zu verwundern. Durch diese quellenkritische Feststellung wird natürlich die Möglichkeit, daß H. in Laodikeia von Antonius bezüglich der Absichten der Kleopatra beruhigende Mitteilungen erhalten hat, nicht ausgeschlossen. Daß dies geschehen ist, ist an sich sogar sehr wahrscheinlich. Genau die gleiche Darstellungsform – erst Abhandlung der inneren und dann Zurückgreifen auf die äußere Geschichte desselben Zeitraumes – können wir übrigens noch einmal in den antiquitates nachweisen (s. S. 125 Anm.). Beide Beobachtungen sind selbstverständlich geeignet, sich gegenseitig zu stützen.
Empfohlene Zitierweise:
Walter Otto: Herodes. Beiträge zur Geschichte des letzten jüdischen Königshauses. Metzler, Stuttgart 1913, Seite 45. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Otto_Herodes.djvu/043&oldid=- (Version vom 1.8.2018)