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Allein – wie auch immer der Wert der Volkssage für die archäologische Forschung sich stellen mag – die Rethrasagenforschung trägt ihren Wert und ihren Lohn in sich selber. Erst in diesen zwei Jahren hab ich den unerschöpflichen Sagenreichtum des Mecklenburger Volkes in vollem Umfange würdigen lernen. Ich werde die Sammelarbeit weiterführen, bis die ganze Umgebung in weitestem Umfange planmäßig abgesucht und der letzte erreichbare Gewährsmann ausgefragt ist. Dann werde ich mich den übrigen wendischen Kultstätten der Heimat zuwenden. In etwa zwei bis drei Jahren hoffe ich dann den ganzen Sagenkreis in urkundlicher Form ans Licht bringen zu können. Die Vergleichung mit der Masse der übrigen Sagen der Heimat, die in meinen Händen ist, sowie auch die Durchforschung der Flurnamen wird die Eigenart der auf wendische Zeit zurückgehenden Überlieferungen aufdecken, vielleicht auch slavischen Kult in helleres Licht stellen können.

Möchte man auch in anderen deutschen Ländern, in denen Slaven wohnten, ernstlich an die Sagenforschung gehen. Der Lohn wird nicht ausbleiben. Auch um die Vinetasagen z. B. hat sich ja niemand bisher ernstlich bemüht. Das eben ist die Lehre, die die Rethraforschung nahelegt, daß wir doch, wie in allen volkskundlichen Dingen, so auch in der deutschen Sagenforschung erst am Anfange stehen und daß die Überlieferung des Volks doch zäher ist, als man zu glauben pflegt.


Zu Mitteilungen Nr. 7, S. 4.

[Der Beitrag von Georg Lehnert (1871–1944) ist erst ab dem 1. Januar 2015 gemeinfrei und kann deshalb hier nicht wiedergegeben werden.]

Gießen. G. Lehnert.

An die Rechnungsführer der Vereine.

Die Jahresbeiträge bitten wir vom 1. Januar 1909 ab an den neuen Rechnungsführer des Verbandes,

Herrn Rechtsanwalt C. Rothe, Chemnitz i. S., Theaterstraße 86,

zu senden. Wir hoffen schon am nächsten Verbandstage einen neuen Zahlungsmodus vorschlagen zu können.

Der geschäftsführende Ausschuß.

Schriftleitung: Dr. Dähnhardt, Leipzig-Gohlis, Marbachstraße 9.
Buchdruckerei Richard Hahn (H. Otto), Leipzig.