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kennt. Verschiedene Erbare Frauen der ersten Männer Nürnbergs hatten sich an diesem festlichen Abend prächtiger, als die Gesetze ihnen erlaubten, gekleidet: auch eine einzige Hals-Zierde war schon strafbar, noch mehr ein köstliches Gewand von Seide. Kaum betraten sie den fröhlichen Reihen, so kündigte ihnen der Aufseher über Sitte und Ordnung ungeblendet die verschuldete Buße an, und verurtheilte sie zur Meidung des heutigen Festes, in nicht gebührendem Schmucke. Flehend wandten sie sich an die gütige Fürstin Anna und baten um Fürbitte; mit leutseeligen Worten suchte diese die erkannte Strafe zu hemmen; aber auch damahls konnte selbst eine Fürstin nicht Nachsicht für verschuldete Fehler erbitten: gehorsam mußten sie sich der erkanntem Strafe unterwerfen, und erst nach erstatteter Rüge durften sie wieder nur in dem ihrem Stande zu tragen erlaubten Schmucke erscheinen.

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Auf so einen für Geist und Körper ermüdenden, sich bis über die Hälfte der Nacht erstreckenden Genuß von Vergnügungen und Freude, war Ruhe und Erhohlung nöthig. Der folgende Tag hatte daher keine ausgezeichneten Feste, nur an seinem Abend besuchten abermahls die sämtlichen Fremdlinge