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Die hausfrau: Armer mann! Wie müßt ihr leiden! Hier habt ihr ein paar alte schuhe meines mannes.

Landstreicher: Madame! Sie scheinen mich nicht für einen gentleman zu halten, weil sie mir zutrauen, gelbe schuhe zum schwarzen gehrock zu tragen.


Das heim

Die zeitungsschreiber haben es im laufe der letzten jahre versucht, uns mut zu den geschmacklosigkeiten der modernen künstler zu machen. Ich will versuchen, euch mut zu euren eigenen geschmacklosigkeiten zu machen.

Wer fechten lernen will, muß seIbst das rapier in die hand nehmen. Vom zusehen beim fechten hat noch niemand fechten gelernt. Und wer sich ein heim schaffen will, muß selbst alles angehen. Sonst lernt er es nie. Wohl wird es voller fehler sein. Aber es sind eure eigenen fehler. Durch selbstzucht und uneitelkeit werdet ihr bald diese fehler erkennen. Ihr werdet ändern und verbessern.

Euer heim wird mit euch und ihr werdet mit eurem heime.

Fürchtet euch nicht, daß euere wohnung geschmacklos ausfallen könnte. Über den geschmack läßt sich streiten. Wer kann entscheiden, wer recht hat?

Für eure wohnung habt ihr immer recht. Niemand anderer.

Die wortführer der modemen künstler sagen euch, daß sie alle wohnungen nach eurer individualität einrichten. Das ist eine lüge. Ein künstler kann wohnungen nur nach seiner art einrichten. Wohl gibt es menschen, die den versuch machen, – gerade so wie es leute gibt, die die pinsel in die farbtöpfe stecken und nach dem geschmack des

Empfohlene Zitierweise:
Adolf Loos: Adolf Loos – Sämtliche Schriften. Herold, Wien, München 1962, Seite 239. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loos_S%C3%A4mtliche_Schriften.pdf/238&oldid=- (Version vom 1.8.2018)