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„Siehe an, mein geliebter Sohn, das ist der Leichnam, der dich getragen hat. Siehe an die Brüste, die du gesogen hast. Ich bitte dich in mütterlicher Treue und Liebe, in der du mich erhören sollest, mein Herr und Sohn. Erfinde einen andern Weg menschlicher Erlösung, der mit andrer Weise zugehe, denn mit deinem Tode! Und fragest du mich, wie Das sein möge, so sprich ich: Du bist die ewige Weisheit. Nun findest du wohl einen andern Weg, wie der Mensch zu Gnaden komme, ohne deinen bittern Tod, wenn du nur willst.“

Der Herr antwortet ihr und sprach: „Meine liebe Mutter, ich sollte dich billig erhören. Du begehrest, daß ich erfinde einen Weg, daß ich den Menschen erlöse in einer andern Weise, denn mit meinem Tod. So wisse, meine liebe Mutter! daß erfüllt werden muß, was von mir gesprochen ist. Ich sprach zu den Meinen, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und des Menschen Sohn wird verrathen den Fürsten der Priester, und sie werden ihn verurtheilen in den Tod. Nun sprichst du, ich sei die ewige Weisheit. Da ich diese bin, so soll ich auch in der allervernünftigsten Weise, wie ich sie nur immer in meiner Weisheit finden mag, den Menschen erlösen und dem Vater wiederbringen. Nun will das meine klare Weisheit: recht wie der Mensch gefallen ist in den ewigen Tod darum, daß er meiner ewigen Weisheit begehrt hat, durch die Sünde theilhaftig

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Franz Joseph Holzwarth: Passionsbilder. Franz Kirchheim, Mainz 1856, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Holzwarth_Passionsbilder.djvu/18&oldid=- (Version vom 1.8.2018)