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waren. 1760 fiel das Gebäude der Beschießung zum Opfer. Der an seiner Stelle errichtete Neubau ist das Haus Rampische Straße 7 (O.-Nr. 98). – 1742 zog H. in das Gebäude Jüdenhof 1 (O.-Nr. 249), das er erst als Mieter, seit 1746 als Eigentümer bewohnte. Vorher hatte es Heinrich Friedrich Grafen v. Friesen gehört (s. Nr. 9).


Nr. 73. von Marschall Graf von Burgholzhausen (nach seinem Geburtsorte), Ernst Dietrich, 1692–1771. Nachdem er seit 1709 in sächsischen Diensten gestanden und an verschiedenen Kriegen im Auslande teilgenommen hatte, trat er 1717 in die österreichische Armee ein, war wieder in mehreren Feldzügen, auch im ersten und zweiten schlesischen und.im siebenjährigen Kriege tätig. Wegen seiner glänzenden militärischen Leistungen wurde er 1749 zum Feldzeugmeister ernannt und neun Jahre später in den Grafenstand erhoben. Seit 1763 wirkte er als Gouverneur in Luxemburg. Die gleiche Stelle bekleidete er auf Dauns Anordnung auch in Dresden, als er vom 9. Oktober 1759 bis anfangs 1760 hier weilte und in dem gräflich Hennicke'schen Hause, jetzt Jüdeuhof 1 wohnte (s. Nr. 72). – Während seiner hiesigen Amtstätigkeit sind besondere Ereignisse nicht zu verzeichnen; nur verdient Erwähnung, daß damals die Bewohner unserer Stadt unter sehr starker österreichischer Einquartierung seufzten. Heinze berichtet Seite 133: „Auf jedes Tausend des Wertes der Häuser hatten fünf Köpfe repartiert werden müssen, und es lagen daher 30, 40, 50 und mehr Mann in einem Hause.“ Für die Besitzer größerer Gebäude war die Einquartierungslast doppelt schwer, weil sie, ungeachtet des großen Holzmangels, bei der in den Wintermonaten 1759 und Januar 1760 besonders starken Kälte „4, 5 und mehr Stuben heizen, auch auf dem Küchenherde das Feuer den ganzen Tag brennen lassen mußten“.


Nr. 74. Hasse, Faustina, geb. Bordoni, wahrscheinlich 1693–1785. Sie war nicht nur eine hervorragende Schönheit, sondern auch die bedeutendste Sängerin ihrer Zeit, und besaß zudem ein ausgezeichnetes Darstellungstalent. An der Dresdner Oper wirkte sie von 1734 an 17 Jahre lang mit seltenem Erfolge. Als sie 1751 freiwillig von der Bühne zurücktrat, behielt sie ihren Titel als Kammersängerin; auch wurde ihr der bisherige Jahresgehalt von 3000 Talern bis zu ihrem Weggange von Dresden fortbezahlt.

Im II. Teile seines Werkes Zur Geschichte der Musik und des Theaters usw. schreibt Fürstenau Seite 213: „Hasse war nie allein von Dresden abwesend, und nur in Faustinas Begleitung besuchte er Italien“, und Seite 214: „Übrigens ist so viel sicher, daß sie nie getrennt von ihrem Gatten gelebt hat.“ Diese Angaben entsprechen nicht der Wirklichkeit. In den Adreßbüchern von 1738 und 1740 wird F. als Einwohnerin von Dresden aufgeführt, aber ihr Gemahl findet sich darin nicht verzeichnet, eben weil er in jenen Jahren, und zwar allein, in Italien weilte. 1738 wohnte F. „am Alten Marckt beym Kauffmann Cölln“. Hier liegt wieder ein in jenen Büchern nicht zu selten vorkommender Druckfehler vor. Die Geschoßbücherauszüge