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Nr. 88) übergesiedelt und dort vier Jahre später gestorben war (s. Nr. 88), erbte sein Grundstück am Zeughausplatze Prinz Karl Christian Joseph, von 1750–1763 Herzog von Kurland. Nach ihm heißt es noch heute das Kurländer Palais. 1796 ging es in den Besitz seiner Tochter Christine Karoline, Herzogin von Savoyen-Carignan, über, die es im nächsten Jahre an den Staat verkaufte, dem es noch jetzt gehört. Seit 1797 hat es sehr verschiedenen Zwecken gedient. (vergl. A. Fiedler, Zur Geschichte des Kurländischen Palais, Dresdner Geschichtsblätter 1903, Nr. 1, Seite 149–157.)


Nr. 30. Flemming, Jakob Heinrich, Graf v., 1667–1728, Kabinettsminister und Generalfeldmarschall. 1695 war er in kursächsische Dienste getreten und bei Johann Georg IV. Generaladjutant gewesen. Getragen von der unwandelbaren Gunst August des Starken, den F. auf mehreren Feldzügen begleitete, erhielt dieser in schneller Folge ein Staatsamt nach dem anderen bis zum höchsten, wodurch er nicht nur auf alle Verhältnisse des Landes einen vorherrschenden Einfluß, sondern auch reiche Einkünfte gewann. Letztere gestatteten es ihm, einen fürstlichen Haushalt zu führen. In seiner staatlichen Wirksamkeit scheute F. wohl auch vor Anwendung schlechter Mittel nicht zurück, wenn er hoffen durfte, durch sie seinen Zweck zu erreichen. Seinem Landesherrn hat er die polnische Königskrone verschafft.

Von F's. Wohnungen sind uns drei bekannt. Zuerst sei das Palais erwähnt, das sich der Graf 1715 in der Neustadt nahe dem Weißen Tore hatte erbauen lassen. Weil es am Ende desselben Jahres von dem holländischen Gesandten Harsolde v. Craneburg bezogen, wenn auch wegen seines Todes nur wenige Wochen bewohnt wurde, hieß es doch im Volksmunde das Holländische Palais, jetzt Kaiser-Wilhelm-Platz 11 (O.-Nr. 59). Wegen seiner Bauart führt es noch heute den Namen Japanisches Palais. Im Jahre 1716 hatte F. sein Heim darin aufgeschlagen. Dann gelangte es durch Kauf in den Besitz August des Starken, der es später wieder an F. abtrat, um es schließlich nochmals zurückzuerwerben. Nunmehr verblieb das Palais dauernd im Besitz des Hofes, der es von 1727 an bedeutend umbauen ließ. Ganz verändert wurden die Außenseiten des Gebäudes; neu aufgeführt die drei den Hof völlig einschließenden Flügel. Eine umfänglichere Erneuerung des Palais machte sich nach dem siebenjährigen Kriege nötig, in dem es als Speicher benutzt worden war und dadurch gelitten hatte. Weit umfangreicher war der 1782 begonnene Umbau, der aber nur das Innere betraf. Nach seiner Beendigung wurde 1786 die bis dahin in mehreren Zwingerpavillons untergebrachte Kurfürstliche Bibliothek und einige Sammlungen hineinverlegt. Jetzt dient das Palais ausschließlich den Zwecken der genannten Königl. Landesbibliothek. – In den letzten Jahren hat man seine Schauseiten erneuert. Besonders gründlich verfuhr man bei der prächtigen Hauptansicht. Hier wurden zahlreiche verwitterte Sandsteine ausgewechselt und schadhafte Bildhauerarbeiten sorgfältig ausgebessert. Seit Mai 1915 prangt das Palais in neuer Schöne.