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Heim gehabt; als aber später Huber, ein junger Schriftsteller und Bräutigam von Körners Schwägerin Dora Stock, zu einem längeren Aufenthalte nach Dresden kam, bezog Huber und Sch., die schon von früher her befreundet waren, eine gemeinsame Mietwohnung in dem gegenüberliegenden Hause des Hofgärtners Fleischmann vom Palaisgarten, Kohlmarkt Nr. 16, jetzt Körnerstraße 18 (O.-Nr. 20). Die unmittelbare Nähe beider Gebäude gestattete den Freunden einen täglichen traulichen Verkehr. Als Huber Dresden wieder verließ, ist Sch. erneut zu Körner's gezogen und bei ihnen bis zum 20. Juli 1787 wohnen geblieben. (Mündlich von dem verstorbenen Oberjustizrat L. v. Göphardt.)

Teils in diesem Hause, teils in dem herrlich gelegenen, von Körner 1785 in Loschwitz erkauften Weinbergsgrundstück[WS 1], konnte Sch. ganz seiner Muse leben, da er aller bisher auf ihm lastenden Sorgen ledig war und durch eine Anzahl trefflicher, hochgebildeter Personen vielseitige Anregungen erhielt. Den bedeutendsten Einfluß freilich übte Körner auf den jungen Dichter aus, der durch seinen älteren Freund nicht nur für philosophische, sondern auch für historische Studien eine besonders lebhafte Neigung gewann. Die erneut aufgenommene Beschäftigung mit Quellengeschichte wurde die Veranlassung, daß Sch. zu Adelung und Daßdorf, den beiden Bibliothekaren an der Kurf. Bibliothek, in nähere Beziehungen trat. Von anderen hervorragenden Männern, die der Dichter in dem gastfreien Hause Körners kennen lernte, seien noch genannt der Historiker und Kunstschriftsteller Wilhelm Gottlieb Becker, wahrscheinlich schon damals der Hofkapellmeister Gottlieb Naumann, der einige Gedichte Sch's. vertont hat, dann die beiden an der hiesigen Kunstakademie wirkenden Maler Jakob Creszentius Seydelmann und Anton Graff. Letzterer malte auf Körner's Wunsch im Winter 1785 das allgemein bekannte und wohl beste Bildnis Sch's., noch heute eins der hervorragendsten Schmuckstücke unseres Körnermuseums. Von Graff selbst ist später über seine Arbeit berichtet worden: „Das Porträt Schillers hat mir“ – wegen des Dichters dauernder Unruhe bei den Sitzungen – „die größte Not, zuletzt aber auch die größte Freude gemacht.“

Während Körner's mit ihrem jungen Freunde den Winter in der Stadtwohnung verlebten, brachten sie den Sommer in dem erwähnten lieblichen Loschwitzer Weinberge zu. Das dort auf der Höhe an dem früheren Stadtweg, jetzt Schillerstraße, stehende einfache Gartenhäuschen wurde wegen seiner ebenso schönen als ruhigen Lage vom Dichter besonders gern als Wohnraum benutzt. Hier schrieb er, wie die an der Außenseite des kleinen Baues angebrachte und mit dem Kopfbildnis Sch's. geschmückte Gedenktafel berichtet, in den Jahren 1785, 1786 und 1787 am Don Carlos, den er hier auch vollendete. Während dieses Aufenthalts in Dresden entstand auch des Dichters einzige, aber auf ihrem Höhepunkte abbrechende Erzählung „Der Geisterseher“ und der Entwurf zu dem Schauspiel „Der Menschenfeind“. – So sehr sich Sch. in unserer Stadt wohlfühlte, konnte er doch seit dem Frühjahre 1787 das drückende Gefühl nicht los werden, hier abhängig zu sein;

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Weinbersgrundstück