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läßt – wahrscheinlich gehört es erst in die sechziger Jahre. Der Darstellung nach (über Lebensgröße, ganze Figur von vorn) erinnert es lebhaft an das oben geschilderte Bildnis des Herrn von Wiedebach. Ein unbekannter Herr in pelzgefütterter Joppe, mit hohen Jagdstiefeln und Pelzmütze, tritt aus einem dunklen Walde. Im linken Arm ruht sein Gewehr, der rechte Arm hängt lose am Körper herab. Zu Füßen des Jägers liegt ein geschossener Hirsch. Der stattliche Mann wendet das Gesicht etwas nach links und blickt mit lebhaften Augen den Beschauer an. Das Bild ist in stärkstem Impasto gemalt, z. B. die Knöpfe an der Joppe sind geradezu plastisch aufgetragen. Der Farbenton ist das gleiche Braun wie auf den vorigen Bildern. Obwohl nur Skizze, ist dieses Jägerporträt doch eine vorzügliche Leistung, die mehr beachtet zu werden verdiente.

Im Hause des Domherrn kam der Künstler jetzt auch wieder in nähere Beziehungen zu der weitverbreiteten Familie von Schönberg, deren Glieder in der Umgebung Biebersteins (auf Oberreinsberg, Herzogswalde und Rothschönberg) ansässig waren. Dieser Verkehr wurde die Veranlassung zur Entstehung eines ausgezeichneten Porträts. Der junge Freiherr Oswald von Schönberg lud nämlich im Jahre 1850 Rayski nach Schloß Oberreinsberg ein, damit dieser, wie früher das Bildnis des Freiherrn, so jetzt das seiner jugendlichen Gemahlin fertige. Die Aufgabe, Porträts bewußt als Gegenstücke zu arbeiten, trat hier zum ersten Male wieder an den Künstler heran. Doch hat er sie in glücklichster Weise gelöst. Die Bilder[1] sind Kniestücke von gleicher Größe; die Gatten sind einander zugewendet.

In dem Bildnis der Freifrau Ida von Schönberg hat der Maler wiederum ein wahres Kabinettstück seiner Kunst geliefert. Die junge, anmutige Frau steht nach links vor einem marmornen Spiegeltischchen, auf das sie ihre rechte Hand leicht auflegt. Mit Virtuosität ist das ausgeschnittene schwarzseidene Kleid, namentlich der faltenreiche weite Rock gemalt. Wie Gesicht, Busen und die feinen Hände sich aus dem dunklen Untergrunde herausheben, wie die gedämpften Lichter auf dem Marmortische spiegeln, die zierliche Haltung z. B. der linken Hand mit dem Blütenzweige – das alles ist wiederum ein Zeugnis ausgesuchten Geschmackes. Das Bild muß


  1. Hoch 1,35 m, breit 1,01 m. Im Besitze des Herrn Barons Donald Schönberg auf Csónak i. U. S. Abbildung.
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Ernst Sigismund: Ferdinand von Rayski. i. A. des Dresdner Geschichtsvereins, Dresden 1907, Seite 54. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Heft20VereinGeschichteDresden1907.djvu/70&oldid=- (Version vom 20.2.2024)