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der behandelten Stoffe. Die Entwürfe vergegenwärtigen erschütternde Vorgänge aus der englischen, niederländischen und schwedischen Geschichte. Ob je eine dieser Skizzen zur Ausführung gekommen ist, erscheint mir zweifelhaft. Eines aber steht fest: sie dokumentieren Rayskis große Begabung für die Historienmalerei und lassen uns bedauern, daß der Künstler diesen Zweig der Malerei später ganz vernachlässigt hat.

Gehen wir nun auf die Entwürfe selbst ein!

Wie Delaroche in seinen großen Geschichtsbildern vorzugsweise Ereignisse aus der englischen Geschichte verarbeitet hatte, so suchte auch Rayski sich aus dieser einen Stoff. Ein solcher – und zwar einer, der an dramatischem Inhalte nichts zu wünschen ließ – bot sich ihm in der Ermordung des Erzbischofs Thomas Becket von Canterbury. Dieser Kirchenfürst wurde bekanntlich am 29. Dezember 1170 am Fuße des Altars von vier Edelleuten erstochen. Der geschichtliche Vorgang reizte den Maler außerordentlich. Nicht weniger als sechs Entwürfe behandeln dieses Thema. Bei großer Verschiedenheit im einzelnen bringen sie doch den gleichen Augenblick – den der höchsten Spannung – zur Darstellung: der Priester ist an den Altar geflüchtet und umklammert das dort stehende Kruzifix oder hält ein solches abwehrend in der Hand, den vordringenden Feinden entgegen; ein Edelmann bohrt ihm das Schwert in die Brust.

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Ernst Sigismund: Ferdinand von Rayski. i. A. des Dresdner Geschichtsvereins, Dresden 1907, Seite 28. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Heft20VereinGeschichteDresden1907.djvu/42&oldid=- (Version vom 16.2.2024)