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Altmeisters, hatte sich dann auch selbständig an den Niederländern Ruisdael, N. Berchem, Wynants u. a. weitergebildet. 1820 ward er „Pensionair“ seiner Bildungsstätte, seit 1822 erteilte er als Mitglied der Akademie an dieser Unterricht. Eine große Anzahl jüngerer Künstler verdankt ihm ihre Ausbildung. Auch als Privatlehrer war er, namentlich von adeligen Familien, sehr gesucht; der „Malermeister Faber“ lebt noch heute in vieler Gedächtnis. Seine Bilder, deren Stoffe meist seinem Heimatlande Sachsen und insbesondere der Umgebung Dresdens entnommen waren, erregten wiederholt Aufsehen. Zwar fehlte ihm das Phantastische eines Caspar David Friedrich wie auch das Großartige eines Claußen Dahl vollkommen, aber seine schön empfundene, „durchaus wahre und keineswegs trockene“ Nachbildung der Natur wirkte wohltuend und erfrischend.

Unter Fabers Leitung herrschte auch im Zeichenunterrichte des Freimaurerinstituts reges Leben. Beweis dafür sind die zahlreichen Arbeiten, die alljährlich im August seitens dieser Anstalt zu den Dresdner akademischen Kunstausstellungen geliefert wurden. Landschaften nach der Natur (z. B. aus der Sächsischen Schweiz) sowie Blumen- und Fruchtstücke überwiegen hier, doch finden wir auch architektonische Zeichnungen und Tierstücke, ebenso bisweilen Akte (Köpfe, Hände) und Gruppen. Diese Darstellungen wurden von den Schülern zum größten Teile farbig (in Sepia, Aquarell oder Gouache) geliefert, seltener finden sich Kreide- oder Bleistiftzeichnungen. Das alles ist bemerkenswert; denn so wurde von vornherein die Beobachtungsfähigkeit und der Farbensinn der Zöglinge geweckt und gepflegt, auch war bei der Mannigfaltigkeit der behandelten Gebiete dem Gestaltungsvermögen der Schüler ein weiter Spielraum gelassen.

Jedes Jahr konnte eine stattliche Anzahl solcher Arbeiten der Einsendung zur Kunstausstellung gewürdigt werden. Unter ihnen befanden sich seit 1819 auch die künstlerischen Versuche Ferdinand von Rayskis, der sich demnach schon frühzeitig unter seinen Mitschülern ausgezeichnet hat.

Anregend mag auf ihn das Vorbild seines älteren Bruders Leo gewirkt haben. Dieser war 1817 und 1818 mit getuschten und gemalten Entwürfen: mehreren Landschaften und einem Tierstück (Adler) hervorgetreten, scheint also ebenfalls zeichnerisch nicht unbegabt gewesen zu sein. Ferdinand entschied sich indessen von Anfang

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Ernst Sigismund: Ferdinand von Rayski. i. A. des Dresdner Geschichtsvereins, Dresden 1907, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Heft20VereinGeschichteDresden1907.djvu/17&oldid=- (Version vom 14.2.2024)