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perg Calvarie da unser herr gekreutzigt wardt und [da] ist ein weysser stain[1]; und auff dem selbigen perg ist ein altar, do ligen Cristen, die sein chönig gewesen zu Jherusalem[2]. An dem perg Calvarie da ist ein altar, do ligt die seul, do Jhesus angepunden wardt, da man in geyßlat[3]; pey dem selbigen altar XLII staffel unter der erden, do ward gefunden das heyllig creutz und der zwaier schächer[4]. Vor der kirchtür do gett man XVIII staffel hinauff, do sprach unser herre zu seiner mutter die wortt, die er an dem chreutz sprach: „Frau nym war, das ist dein sun.“ Auch sprach er zu Sandt Johanns: „Nim war, das ist dein mutter.“ Und die selbigen staffel ging er auff, do er das chreutz trug. Und do selben oben ist ain capellen, do sind priester inn aus priesters Johanns landt[5].

Vor der stat ist Sandt Stephanus kirchen, da er ist gestaint worden, und gen dem tal Josaphat wärtz, do ist die gulden pforten.

Von der kirchen, do das heillig grab ist, nit verre, da ist das groß spital von Sant Johanns[6] und do behält man siech leutt und das spital hatt hundert und XXXIIII säulen; noch ist ein anders do, das steet auff LIIII merbelen seulen und inderhalb des spitals ist ein schöne kirch, die haisset zu der grossen unser frauen[7];


  1. In der kapelle der kreuz-annagelung wird die stelle der kreuzigung durch marmorstücke, die in den boden eingelegt sind, bezeichnet (Bädeker).
  2. Gottfried von Bouillon und Balduin I waren in der sog. Adamskapelle unterhalb der kreuzerhöhungskapelle beigesetzt.
  3. An dieser stelle ist auf die sog. »säule der verspottung« hingewiesen, welche sich in einem altar der kapelle der verspottung oder dornenkrönung aut der nordseite von Golgatha befindet (Meyer s. 116).
  4. Hier ist die kreuzfindungskapelle gemeint, welche 13 stufen unter der Helenakapelle sich befindet, während diese 29 stufen tiefer, als das niveau der grabkirche liegt.
  5. Im eingang der grabkirche führt rechts eine treppe zur kapelle der kreuzerhöhung auf der stätte des eigentlichen Golgatha 4½ m über dem niveau der grabkirche. Die kapelle gehört gegenwärtig den Griechen, nachdem sie in früheren zeiten ihre besitzer öfter gewechselt hatte (Sepp I, s. 466); hingegen ist in der darunter befindlichen Adamskapelle eine in der apsis angebrachte nische im besitze der Kopten (vergl. den plan der hl. grabkirche bei Krafft).
  6. Das prächtige hospiz des Johanniterordens lag der grabkirche gerade gegenüber; noch heute heißt der platz Muristan, d. i. spital, und es befindet sich daselbst eine kirche zum hl. Johannes, dem täufer.
  7. Im Muristan sind noch die ruinen der kirche Maria
Empfohlene Zitierweise:
Valentin Langmantel (Hrsg.): Hans Schiltbergers Reisebuch nach der Nürnberger Handschrift. Litterarischer Verein in Stuttgart, Tübingen 1885, Seite 74. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hans_Schiltbergers_Reisebuch.djvu/080&oldid=- (Version vom 23.12.2022)