Seite:Freiligrath-Prozess.djvu/47

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

wieder fühlte, was ich damals gefühlt und als ich mich in die Stellung des Dichters versetzte, habe ich die Schönheiten in dem Gedichte erkannt, ohne gerade die Grundgedanken desselben als meine Gedanken zu adoptiren.[WS 1]


__________


Die Todten an die Lebenden.

____


Juli 1848.

Die Kugel mitten in der Brust, die Stirne breit gespalten,
So habt ihr uns auf blut'gem Brett hoch in die Luft gehalten!
Hoch in die Luft mit wildem Schrei, daß unsre Schmerzgeberde
Dem, der zu tödten uns befahl, ein Fluch auf ewig werde!
Daß er sie sehe

- - - - - -


So war’s! Die Kugel in der Brust, die Stirne breit gespalten,
So habt ihr uns auf schwankem Brett auf zum Altan gehalten!

- - - - - -


Das Heer indeß verließ die Stadt, die sterbend wir genommen!
Dann „Jesus meine Zuversicht!“, wie ihr’s im Buch könnt lesen;
Ein „Eisen meine Zuversicht“ wär’ paßlicher gewesen!

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Das vollständige Gedicht: Die Todten an die Lebenden
Empfohlene Zitierweise:
Stenographischer Bericht des Processes gegen den Dichter Ferdinand Freiligrath. Düsseldorf 1848, Seite 43. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Freiligrath-Prozess.djvu/47&oldid=- (Version vom 18.8.2016)