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wie später ein mittelmässiger Beamter. Ebensowenig aber wird der ein selbständiger Charakter werden können, der sich schon in der Jugend überall hat beugen und schmiegen müssen, um weiterzukommen oder eine Kleinigkeit zu erreichen, weil ein einziger Fehlgriff vielleicht, die Verstimmung oder Unfreundlichkeit eines Lehrers, Directors, Professors ein plötzliches Ende der ganzen Carriere hätte machen können. Die schönste Zierde des Beamten aber ist Unabhängigkeit und Selbständigkeit, ganz besonders des juristischen Beamten, der sich stets von allen Strömungen und Strebereien fern halten muss, um nicht seine Unbefangenheit zu verlieren. Das heute fast in allen Berufszweigen wahrnehmbare Streberthum, das durch Bücken und Kriechen weiter kommen will und das ganz besonders in der akademischen und juristischen Carriere so unangenehm in den Vordergrund tritt und jährlich an Ausdehnung zunimmt, hängt nicht zum wenigsten mit jener Veränderung des Beamtenmaterials zusammen. Denn fein erzogene Söhne gebildeter und höherer Beamter oder Officiere werden sich selten zu widerlichen, schmeichlerischen, unaufrichtigen und abhängigen Strebern heranbilden.

Unter diesen Umständen hat die Regierung, zumal ja auf allen Seiten eine anerkannte Ueberfüllung vorhanden ist, die eine Aufgabe zu erfüllen, dass das Studium nicht mehr, wie bisher, in so liberaler Weise erleichtert wird, dass die unbemittelten Eltern, so

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Hans Flach: Der deutsche Professor der Gegenwart. Leipzig 1886, Seite 58. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Flach_Der_deutsche_Professor.djvu/066&oldid=- (Version vom 18.8.2016)