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Indem ich auf die gedächtnisschrift von Axel Olrik (nr. 17) hinweise, kann ich auch aus eigener erfahrung den einfluss seiner unvergesslichen persönlichkeit bestätigen. Als junger kandidat vor 30 jahren verbrachte ich zum erstenmal eine sommernacht in seiner gesellschaft. Wir sassen in der wohnung des verstorbenen P. Chr. Asbjørnsen, wo ein ihm verehrtes tausendjähriges trinkhorn und die von norwegischen künstlern bemalten flächen der tür das volkstümliche altertum mit dem nationalen aufschwung der neuzeit vereinigten. Als bewohner dieses heiligtums und als sohn von Jørgen Moe repräsentierte Moltke Moe in meinen augen den norwegischen volksgeist. Es war aber die fühlung seines eigenen forschergeistes mit dem feurigen eifer und unbefangenen urteil, welche auf mich den tiefsten eindruck machte. Die nationalste wissenschaft der volkskunde ist zugleich die internationalste, nicht nur in der hinsicht dass die forscher in einem lande der in anderen ländern gesammelten materialien bedürfen und dadurch auch anderen das recht zuerkennen das geistige erbe ihrer vorfahren mit liebe zu pflegen, sondern auch deshalb, dass diese liebe zum eigenen volkstum durch beispiel und anregung von einer nation zur anderen übertragen werden kann. Derartige persönlichkeiten, wie Moltke Moe, dessen ganzes wesen von wohlwollen und mitgefühl gegenüber anderen gefüllt war, werden in dankbarer erinnerung auch ausserhalb ihres eigenen landes leben.

Kaarle Krohn.     
Empfohlene Zitierweise:
Kaarle Krohn: Vierter Bericht über die Tätigkeit des folkloristischen Forscherbundes „FF“. Suomalaisen Tiedeakatemian Kustantama, Hamina 1914, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:FFC21.djvu/3&oldid=- (Version vom 31.7.2018)