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zu citiren pflegte, der zur Theilnahme aufforderte, ließ er jetzt ruhen. Er vermied alles Kritteln und Mäkeln, er gab sich ganz dem Zauber hin, den Theklas von Hoheit umstrahltes Wesen, den der Wohllaut ihrer Stimme auf ihn ausübten. Er begann Geschmack zu finden an dem heiteren, unbekümmerten Leben im Hause seiner zukünftigen Schwiegermutter und schwelgte in dem anmuthigen Behagen, das vollendete Wohlerzogenheit um sich her zu verbreiten weiß.

Für die Entschiedenheit, womit Thekla traurige und unangenehme Eindrücke von sich wies, für ihre Scheu vor geistiger Anstrengung, fand er tausend Entschuldigungen: Sie ist jung und nimmt das Leben leicht, sie ist glücklich und will es bleiben, sie fühlt unbewußt, wie ein Kind, das sich gegen das Aufnehmen schwieriger Erkenntnisse sträubt, den tiefen Sinn der großen Wahrheit: Nachdenken bricht das Herz!

Eines Tages fand er Thekla, ihn im großen Salon erwartend: „Ich bin Ihnen entgegen gekommen,“ sagte sie leise und lachend, „um Sie abzuhalten bei Mama einzutreten. Mama hat Besuch, die alte Baronin Limberg, Sie wissen, die Wohlthäterin. Ihr eigenes Hab und Gut hat sie bereits verschenkt und geht jetzt auf Plünderung ihrer Bekannten aus. Heute sammelt sie für die Armen im Erzgebirge, macht Ihnen Beschreibungen von dem Elende dort – man kann’s nicht anhören. Gewiß, sie übertreibt.“

„Schwer möglich, in dem Falle,“ sagte Paul; er

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Marie von Ebner-Eschenbach: Nach dem Tode. In: Erzählungen. Berlin: Gebrüder Paetel, 1893, Seite 334. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Erz%C3%A4hlungen_von_Marie_von_Ebner-Eschenbach.djvu/340&oldid=- (Version vom 31.7.2018)