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Und wir kamen ins Gespräch

So von dem zum andern –
Hatten just denselben Weg
Beim Nachhausewandern.

Vater tot und Mutter krank,

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Und zu Haus kein Eden …

Na – wie Mädchen auf der Bank
Abends eben reden.

Sprachen dann beim Mondenschein
Von der Nächte Schöne,

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Und wir fanden ungemein

Viel verwandte Töne.

Seltsam – wie beim Abschied just,
In des Stadtthors Schatten,
Uns’re Lippen unbewusst

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Sich gefunden hatten.


Und mit heissem Jugendtrank
Meine Seele labend,
Sprach sie leise: »Bei der Bank,
Liebster, morgen abend!« …

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Und ich trug mein Herz so heiss

Heim von all dem Glücke – –
Ach, was schert mich nun das Weiss
An der Schläfenbrücke!

Rudolf Presber.





Mein Pech.

Ich hab ein Mädchen lieb gehabt
Mit rosenroten Wangen; –
Die ist mit einem andern Mann
Zum Traualtar gegangen.

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Ich habe eine Frau verehrt;

Die war mir zwar gewogen,
Doch hat mit ihrem Gatten sie
Mich unerhört betrogen.

Ich liebte eine Tänzerin

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Mit beispiellosem Feuer;

Ich ward von ihr zu hochgeschätzt,
Und sie war mir zu teuer.

Arthur Pserhofer.


Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 48. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/54&oldid=3304074 (Version vom 31.7.2018)