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»Sprichst du mit Michel, eurem Knecht,
Mein lieber Sohn, so hast du recht,
Doch wenn der Schulrat dich thut fragen,
Musst du es richtig hochdeutsch sagen.«

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»’ne Zicke! andersch weess ich’s nich.«

Der Rat verbeisst das Lachen sich,
Fragt weiter, jeder bleibt dabei,
Dass das Tier eine Zicke sei.
Da stürzt in der Verzweifelung,

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Der Schulmeister mit einem Sprung

Zum Fenster hin, brummt in den Bart:
»Das is ooch ’ne kuriose Art,
Was der nur will, ich weess es dock,
Mer han in Dorf gar keenen Bock;

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Ich lass mich nich ins Bockshorn jagen,

Ich will’n schunt de Antwort sagen«
Drauf stellt er sich in Position
Und spricht: »Herr Rat! – Mit Permission!
Sie mach’n die Kinder mäuseldrätig,

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Zur Antwort bin ooch ich erbötig,

Sie mee’n: dass mer uns recht verstehn,
Das Tier, was mer da fressen sehn?«
»Ja!« – »Und bricht mersch ooch’s Genicke, –
»’s is werklich eene Zicke!« –


Ludwig Menzel.




Der Ehe Bänkellied.

Beim Sonntagskaffee reckte sich
Die Mutter und sprach feierlich
Zum Vater: „Höre, lieber Mann,
Dieweil du selbst nicht denkst daran,

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So sage ich es klipp und klar,

Regine ist jetzt 20 Jahr,
  Also!

„Ach“, sprach der Vater weich und lind,
„Regine ist ja noch ein Kind,

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Ich kann mich nicht dazu versteh’n,

Sie als erwachsen anzuseh’n!
Und dann“ – jetzt sprach er wen’ger mild –
„Die Freier wachsen doch nicht wild,
 Also!“

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Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 360. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/366&oldid=3304048 (Version vom 31.7.2018)