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De Meister nimmt dat Botterbrot,
Bekikt dat nipp von vörn und hinn’n:
»So slag doch Gott den Düwel dod!
Ick sülwst kann ok kein Botter finn’n.

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Na tänw!« Hei geiht tau de Fru Meistern hen

Und seggt tau ehr: Wat makst du denn?
Wo is hier Botter up dat Brot?
Dor slag doch Gott den Düwel dod!«
»Is dat nich gand för so en Jungen?

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Ji sünd man all so Leckertungen!

Ji müggten Hus und Hof vertehren,
Un ick sall fingerdick upsmeeren.
So geit dat noch nich los! Prahl sacht!
De Botter gellt en Grösch’ner acht.«

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»Ih, Mutter, ward man nich glik bös,

Hest du denn nich en Beten Kes’?«
Un richtig! Sei led sick bedüden
Und deiht den Jungen Kes’ upsniden.
De Meister bringt dat Brot nu herin,

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Giwwt dat den Jungen hen un fröggt,

Ob sick sin Blindheit nu hadd leggt,
Un ob hei wedder seihen künn.
»Ja, Meister!« seggt de Jung’ ganz swipp,
»Ja Meister, ja! Ick seih’ so nipp,

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As hadd ’ck ’ne Brrill’ up mine Näs’,

Ick seih’ dat Brot all dörch den Kes’.«


Fritz Reuter.




Da Unschuld’ge.

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 354. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/360&oldid=- (Version vom 31.7.2018)