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Verteidigung.

Nein, nein, ich will’s nicht glauben,
Weil ich es schändlich find’,
Ich glaub’s nicht, dass die Frauen
Bekanntlich grausam sind.

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Die Frau’n, sagt man, sind freilich

Das zarte Geschlecht, indes
Sie lieben den sensationellen
Gift-, Lust- und Raubmordprozess.

Wenn noch gevierteilt würde,

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So wären, um zuzuschau’n,

Im weiten Auditorium
Weit über die Hälfte Frau’n.

Auch heisst es, – und jeder Dichter
In Liedern bestreiten möcht’s, –

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Es seien die Rabenmütter

Meist weiblichen Geschlechts.

Doch ich muss protestieren,
Galant sein ist mir Gesetz:
Die Grausamkeit der Frauen

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Ist nichts als dummes Geschwätz.


Im Gegenteil, die Frauen
Sind gütiger, als man denkt:
Es hat ja schon jedem Menschen
Ein Weib das Leben geschenkt.


Julius Stettenheim.




De blinne Schausterjung’.
In plattdeutscher Mundart.

»Ach Meister! Meister! ach, ick unglückselig Kind!
Wo geiht mi dit? Herr Je, du mein!
Ach, Meister! Ick bün stockenblind,
Ick kann ok nich en Spirken seihn!«

5
De Meister smitt den Leisten weg,

Hei smitt den Spannreim in de Eck
Un löppt nah sinen Jungenchen.
»Herr Gott doch, Jung! Wo is di denn?«
»Ach, Meister! Meister! Kieken S’ hier!

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Ick seih de Botter up ’t Brot nich mihr!«
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 353. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/359&oldid=- (Version vom 31.7.2018)