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»Nanu, lachd d’r Ginstler, »ich gäb’ Se mei Wort,
Da sin Se bei mir grad’ ahn richdigen Ort,
Ooch schteht ganz uf Ihrer Seite de Wahl,
Ob Brustbild, ob Knieschtick – mir ist es eegal –

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Un winchen Sie gans sich – de ganse Figur –,

Ich nehm’ Sie ooch so ab, befehlen Sie nur –«
D’r Bauer, der wärd von den Reden ganz werr
Un schtoddert zerletzt nor: »Mei gudester Herr,
Ob’s Knie gommt ufs Bild, oder ’s gommt druf de Brust

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Das machen Se gans so nach eegener Lust.

Ooch schteh’n oder sitzen, das machd mer nich Gwal,
Wie Ihnen, so is es ooch mir gans egal,
Nor eens mecht’ ich bidden, mei Gudster, recht scheen
– Ich weess, Se werden mich richdig versteh’n –

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Ich mechte Se gerne – nu gäm Se hibsch Acht –

Wenn’s nich gar zu grosse Miehe Sie machd,
Dass Sie mer ufs Bild – nu bassen Se uf –
Ooch noch mei Gesichde brächten mit nuf.«


Georg Zimmermann.




Das Droschkenpferd.

In einer Gasse, eng und klein,
Hielt jüngst ein Droschkenmann,
Ein Schusterjunge kam des Wegs
Mit Pfeifen schnell heran.

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     Doch wie er vor dem Pferde steht,

Macht er urplötzlich Halt,
Ein banges Zittern überfallt
Den Jungen alsobald.

     Er dreht sich rechts, er dreht sich links,

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Er möchte gern vorbei,

Doch sieht er immer auf das Pferd
Mit Furcht und voller Scheu.

     »I, Junge,« ruft der Kutscher laut,
»Geh ruhig deinen Strich,

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Mein Jaul is gar keen böses Tier,

Loof man, er beisst dir nich!«

     »Det Beissen fürchte ick ja nich,«
Spricht jener alsobald,
»Ick fürchte blos man, dass der Jaul

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Am Ende auf mir fallt.«


Ernst Dehm.
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 352. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/358&oldid=- (Version vom 31.7.2018)