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Franz Karl Ginzkey.




Klippklapp.

Morgenlied und Abendgruss! –
»Klippklapp, klippklapp!« macht der Fuss.
Von dem Keller bis zum Dach
Sind die Holzpantoffeln wach,

5
Treppen auf und Treppen ab

Klingt’s, bald langsam, bald im Trapp:
»Klippklapp!« –

Morgenlied und Abendgruss! –
Schuh’ hat keiner hier am Fuss!

10
Armut herrscht hier im Revier!

’s macht dem Herrgott wohl Plaisir,
Treibt uns Not treppauf treppab! –
»Klippklapp!«

Morgenlied und Abendgruss! –

15
Oft geht nackt auch unser Fuss!

Haben dann auf dieser Welt
Nicht für Holzpantoffeln Geld!
Auch dem Magen geht’s dann knapp! –
Vorwärts! – Hunger bringt in Trab!

20
»Klippklapp!«


Morgenlied und Abendgruss! –
Wenn einst müde wird der Fuss,
Alt und schlottrig die Gestalt,
Rückt der Tod an mit Gewalt.

25
Schlagt den Sargesdeckel zu!

Arme Seel’ hat endlich Ruh!
»Klippklapp!«


Otto Hausmann.
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 292. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/298&oldid=3303975 (Version vom 31.7.2018)