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Bald hör’ ich eine Scala, wie ein Schüler
Beim Unterrichte sie nicht schlechter spielt,

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Bald eine Melodie aus irgend einer

Uralten Oper oder Operette, –
Das alles unterbrochen oft durch Pausen,
Die nicht im Notenblatte stehen mögen,
Durch falsche Griffe, die in wilder Hast

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Sofort noch einmal falsch gegriffen werden –

Kurz, ich bin selbst nicht sonderlich empfindlich,
Kein streng geübter Kenner der Musik,
Doch nehmt die Zeit, die Ruhbedürftigkeit,
Und denkt dazu das unberuf’ne Spiel:

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Und dann vergebt mir nicht, wenn ich am Ende

Voll Aerger nach dem Konzertierer forsche,
Die unbequemen Klänge abzuthun.

Und was vernahm ich? Ein bejahrter Mann,
Ein dürftiger, ist mein Pianospieler.

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Den ganzen Tag geht er dem Handwerk nach,

Und abends, wenn die Kinder eingeschlafen,
Für die er all’ die schweren Sorgen trägt,
Uebt er Piano.

 Lacht mich aus darum.

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Mir traten ein paar Thränen in die Augen,

Mitfühlend las ich in des Mannes Herz.

Er kann nicht spielen, und er wird’s nicht können,
Zu steif ist seine Hand, sein Ohr zu stumpf, –
Ihr kennt das Sprüchlein wohl von Hans und Hänschen

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Und dennoch lässt er’s nicht. Ihm ist das Spiel

Die einzige Sprosse, die aus Not und Kummer
Des öden Lebens ihn nach oben leitet,
Die einzige. Und die barmherzige Kunst,
Sie, aller Segenspender edelste,

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Stösst ihn auch ohne Trost nicht aus dem Tempel,

Der gläubig drin der Seele Heilung sucht.
Aus falschen Griffen, aus verfehlten Takten
Giesst sie dem Lechzenden Befriedigung
In die geängstigte, gequälte Brust …

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Spiel’ immerzu, du armer alter Mann!

Du störst nicht, nein. Melodisch klingt um mich
Die edle Weihe eines Menschenherzens.


Friedrich Adler.
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 290. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/296&oldid=- (Version vom 31.7.2018)