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Da plötzlich kommt ein Dogcart gerollt,

Und Beifall hat mein Auge gezollt
Dem schnittigen Gaul, der davor gespannt.
Ich schütze mich gegen das Licht mit der Hand:
Potztausend wie chic! Eine Dame lenkt

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Das flotte Gespann … wo in aller Welt

Sah ich den Kopf … ihr »Heh« laut gellt!
Scharf um die Ecke hat sie geschwenkt.

Da fällt es mir ein … mich täuschte das Kleid
Und das glitzernde, glänzende Ohrengeschmeid.

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Das gepuderte, leicht geschminkte Gesicht …

Eine Dame! … Nein, so trägt die sich nicht!

Im Strassengetriebe der Dogcart verschwand …
Ich starrte ihm lange nach, unverwandt …

Die Lichter brannten, und es ward Nacht,

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Mir war es, als habe mich angelacht

Das Zifferblatt drüben, erleuchtet matt:
Der Kuppler der grossen Riesenstadt!
Mir war es, als grinste die Uhr mich an:
Glaubst Du denn, dass ich dafür was kann?


Georg Freiherr von Ompteda.




Nach der Redoute.

Schon war der Osten rosig rot
Vom Sonnenlicht umwoben,
Da habe ich nach süsser Rast
Vom Lager mich erhoben.

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Das Mädel schlief, die Lippen nur

Zuckten, als ob ich’s küsste –
In tiefen Atemzügen hob
Und senkte sich die Büste.

Dann sah ich mich im Zimmer um,

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Schien drinnen zwar sehr reinlich,

Nur was die Ordnung anbelangt,
Gerad’ nicht allzu peinlich.

In allen Ecken türmte sich
Ein Trödelkram, ein bunter –

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Ein Stiefelchen lag auf dem Tisch,

Das Spitzenröckchen drunter.

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Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 284. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/290&oldid=3303967 (Version vom 31.7.2018)