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Und beim Champagner schloss er später
Als Käsestange mit einem Verräter.

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Grossmütterlein sass still in Ruh’

Und sah dem lieben Sohne zu,
Und freute sich und sprach: »Ja, ja,
Lass dir’s nur schmecken, es ist ja da!«


August Sturm.




„Es war halt wieder nix.“
(Ein Aschermittwoch-Stimmungsbild.)

Die letzte Ballnacht ist vorbei. –
Auf dem alten Kanapee
Sitzt fröstelnd die Mutter, und gierig schlürft
Sie schmatzend den heissen Kaffee.

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Es wälzt der Vater schläfrig noch

Im Bette sich und gähnt, –
Die Tochter stumm und trüb’ und dumpf
An’s Fensterbrett sich lehnt.

An ihrem längst verblühten Reiz

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Das dreissigste Jahr schon nagt. –

Mit müden Augen schaut sie zu,
Wie’s draussen langsam tagt.

Die Mutter löffelt die Tasse leer;
Dann vorwurfsvollen Blick’s

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Zur Tochter sie hinüberschielt:

»Es war halt wieder nix!«

Der Alte brummt in seinen Bart:
»Bald reisst mir die Geduld.«
Die Mutter drauf: »Daran ist nur

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Das blöde Zieren schuld«.


Sie spreizt sich ja, die dumme Gans,
Wie’n Backfisch mit lange Zöpf’, –
Weisst nicht, was du uns schuldig bist,
Du undankbar’s Geschöpf!?«

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Die Tochter lächelt müd’. – Man hat

Ihr das schon oft gesagt. –
Und dumpf und trübe schaut sie zu,
Wie’s draussen langsam tagt.


Julius Schaumberger
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Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 271. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/277&oldid=3303952 (Version vom 31.7.2018)