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Aber zwischen uns beiden liegt
Eine gewaltige Schranke,
Und kein Finke darüber fliegt; –

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Nein – mein Herr, –- ich danke.« –


Kehrte der Finke zurück zum Wald,
Dachte nicht weiter an Minne,
Pfiff und sang, da kam ihm bald
Röslein aus dem Sinne.

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Als der Winter kam ins Land,

Fand er auf jenem Flecke,
Wo im Frühling die Rose stand,
Eine dornige Hecke;

Hingen nur wenige Blättlein dran,

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Welk und halb erfroren –

Wartend auf den Goldfasan,
Hat sie die Blüte verloren.

Als die Hecke den Finken erkannt,
Rief sie mit einer Verbeugung:

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»Zog dich endlich aus fernem Land

Heim deine erste Neigung?

Komm, mein Trauter, uns trennt fortan
Keine hemmende Schranke –«
Sah sie der Fink bedenklich an,

40
Sprach: »Mein Fräulein – ich danke!« –


Rudolf Baumbach.




Der Hund aus der Pfennigschenke.

Es ging, was Ernstes zu bestellen,
Ein Wandrer seinen stillen Gang,
Als auf ihn los ein Hund, mit Bellen
Und Rasseln vieler Halsbandschellen,

5
Aus einer Pfennigschenke sprang.

Er, ohne Stock und Stein zu heben,
Noch sonst sich mit ihm abzugeben,
Hob ruhig weiter Fuss und Stab,
Und Kliffklaff liess vom Lärmen ab.

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Des Wegs kam auch mit Rohr und Degen,

Flink, wohlgemut, keck und verwegen,


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Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 258. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/264&oldid=3303938 (Version vom 31.7.2018)