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Im Osten an zu grauen fing,
Und seufzend es von dannen ging.

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     Es traf die Spinne wieder an,

Die auch kein Auge zugethan,
Und alle beide klagten sich,
Wie elend und wie jämmerlich
Sie beiderseits die vor’ge Nacht

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In Furcht und Sorgen zugebracht.

Ich seh’ wohl, wo der Knoten sitzt,
Sprach drauf das Podagra. Dir nützt
Zum Aufenthalte kein Palast;
So wie ich niemals Ruh’ und Rast

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Bei schlechten Bauern finden kann.

Drum geh du zu dem armen Mann,
Und ich will deine Junker seh’n,
So soll das Ding wohl besser geh’n.

     Dies waren beide wohl zufrieden,

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Und beide gingen nun verschieden

Den Weg, so wie der Abend kam.
Das Podagra, voll Hoffnung, nahm
Zum Schloss des Junkers seinen Gang;
Und mit welch freudigem Empfang

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Ward es von ihm nicht aufgenommen!

Kaum sah er es gehinket kommen,
So nahm er’s höflich bei der Hand,
Führt’s in sein Zimmer; drinnen stand
Ein Sofa mit viel weichen Kissen,

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Davon legt er ihm drei zu Füssen

Und sprach: »Ihr Gnaden fordern dreist,
Was Ihrem Gaum’ willkommen heisst.«
Drauf rief er seine Diener her;
Da ward der Tisch nicht einmal leer

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Von Thee und Kaffee und Orsade,

Von Schokolad’ und Limonade.
Alsdann ward von der Schüsseln Menge
Die grosse Tafel fast zu enge;
Denn alles, was die Schmausewelt

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Für echte Leckerbissen hält,

War so im Ueberflusse da,
Als wär’ es in Hammonia.

     Die Weine, ja wer kann die zählen?
Gewiss! hier durfte keiner fehlen,

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Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 248. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/254&oldid=3303927 (Version vom 31.7.2018)