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Ein Weib.

Sie hatten sich beide so herzlich lieb,
Spitzbübin war sie, er war ein Dieb;
Wenn er Schelmenstreiche machte,
Sie warf sich aufs Bett und lachte.

5
Der Tag verging in Freud’ und Lust,

Des Nachts lag sie an seiner Brust.
Als man ins Gefängnis ihn brachte,
Sie stand am Fenster und lachte.

Er liess ihr sagen: »O komm zu mir,

10
Ich sehne mich so sehr nach dir,

Ich rufe nach dir, ich schmachte« –
Sie schüttelt’ das Haupt und lachte.

Um sechse des Morgens ward er gehenkt,
Um sieben ward er ins Grab gesenkt;

15
Sie aber schon um achte

Trank roten Wein und lachte.

Heinrich Heine.





Eine Verlorene.

Du bist so jung, so blütenjung und schön.
Wie Knospen springen aus dem Kleid die Brüste,
Wie Frühlingsherbheit liegt’s um deinen Mund,
Als ob er selten einen andern küsste.

5
Nur deine Augen, die voll Wissen sind,

Erzählen von den taumelvollen Stunden,
Von roten Nächten, da die Leidenschaft
In Sommerschwüle dich am Weg gefunden.

Albert Sergel.





Chronik.

[Dieses Gedicht ist erst ab dem Jahr 2035 gemeinfrei]

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 19. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/25&oldid=- (Version vom 1.1.2017)