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Zigeunerlied.

Ueber die Heide braust der Wind,
Hoiho! der säubert die Haare,
Wenn ich mit Pack und Weib und Kind
Kreuzquer darüber fahre.

5
Meine Hann’, das lahme Luder, schläft,

Der andere hilft drücken,
Der derbe dritte aber heult
Meiner Alten auf dem Rücken.

Die zieht mit mir und schimpft mit mir

10
Vor dieser verfluchten Karre,

So keuchen wir durch Moor und Wind
Zur nächsten fetten Pfarre.

Da blasen wir uns die Hände, puh,
Und werden mal wieder heiter,

15
Und betteln was in Topf und Pfann’

Und lumpen halt so weiter.


Fritz Lienhard.




Lied des Zigeunerknaben.

Mein’ braune Mutter ist eine Hex’,
Kann zaubern und Karten schlagen;
Mein brauner Vater schweigt und geigt,
Ich muss die Trommel tragen.

5
Mein klein braun Brüderlein läuft noch nicht,

Auf dem Rücken trägt es die Mutter,
Da schaut es aus seinem Sack heraus;
Ich bettle zusamm’ ihm das Futter.

Mein klein braun Schwesterlein tanzt herum,

10
Wenn die Fiedel streicht der Vater;

Mein klein braun Aefflein hat roten Rock,
Wir spielen zusammen Theater.

Mein klein braun Aefflein sollen sie nicht
Um all’ ihre Pfennige haben;

15
Ich glaub’, es allein auf der ganzen Welt

Hat lieb mich armen Knaben!


Theodor Vulpinus.




Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 230. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/236&oldid=- (Version vom 31.7.2018)