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Unter der Linde.

Unter der Linde,
Im Abendwinde
Sah ich verborgen mein Liebchen stehn.
Still wie die Schlangen

5
Kam ich gegangen,

Niemand im Dorfe hat mich gesehn.

Fasste die Kleine;
„Was so alleine
Stehst du, mein herzallerliebster Schatz?

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Willst du voll Schrecken

Scheu dich verstecken,
Weil du das Herz mir gestohlen hast?“

Unter der Linde
Im Abendwinde

15
Schrie sie leise und lachte mich an.

„Willst du schweigen,
Stille dich zeigen!
Küss dich zur Strafe so oft als ich kann.“

Kosen und Scherzen,

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Lachen und Herzen,

Leiser und leiser wird es gemach.
„Küsse dir wieder
Augen und Lider.
Häscher und Späher, sie werden nicht wach.“

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Mich und die Kleine

Hat ganz alleine
Nur auf dem Zweige der Zeisig gesehn.
Unter der Linde,
Im Abendwinde,

30
Frage mich niemand, was da geschehn!
Friedr. v. Hindersin.






Sommermittag.

Nun ist es still um Hof und Scheuer,
Und in der Mitte ruht der Stein;
Der Birnenbaum mit blanken Blättern
Steht regungslos im Sonnenschein.


Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/19&oldid=3303859 (Version vom 31.7.2018)