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Denn Leidenschaft ist nichts für ihresgleichen,
Es reizt sie stets nur die verbot’ne Frucht,

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Sie schnuppert dran, sie will sie nicht erreichen

Und hat noch nie zu knuspern dran versucht.

Sie hat den Gatten niemals noch betrogen,
Sie ist der Tugend Bild, das nur so strahlt,
Von Anstandsfirnis glänzend überzogen

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Und – was die Hauptsach ist – famos gemalt.


Es wird ihr leicht von Sünde frei zu bleiben
(Schon weil dies oftmals der Figur nicht frommt)
Nur etwas könnte sie zum Treubruch treiben:
Wenn offiziell er in die Mode kommt.

Robert Eysler.






Frauenlogik.

Frauensinn ist wohl zu beugen,
- Ist der Mann ein Mann und schlau –
Aber nicht zu überzeugen:
Logik gibt’s für keine Frau;

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Sie kennt keine andern Schlüsse,

Als Krämpfe, Tränen und Küsse.

Friedr. Bodenstedt.







Guter Rat.

Gieb ihren wahren Namen immer
In deiner Fabel ihren Helden;
Wagst du es nicht, ergeht’s dir schlimmer:
Zu deinem Eselbilde melden

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Sich gleich ein Dutzend graue Toren –

»Das sind ja meine langen Ohren!«
Ruft jeder, »dieses grässlich grimme
Gebreie ist ja meine Stimme!
Der Esel bin ich! Obgleich nicht genannt,

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Erkennt mich doch mein Vaterland,

Mein Vaterland Germania!
Der Esel bin ich! I-A! I-A!« –

Hast einen Dummkopf schonen wollen,
Und zwölfe sind es, die dir grollen.

Heinrich Heine.



Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 180. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/186&oldid=- (Version vom 31.7.2018)