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Doch willst du grosses, eignes schaffen,
Da wird der Stumme plötzlich laut,
Er wird dich schmäh’n und dich beklaffen,
Bis allen Menschen vor dir graut.

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Und willst du fassen ihn beim Kragen,

Gleich über dich fällt alles her,
Du wirst gescholten, wirst geschlagen,
Denn alle lieben ihn zu sehr.

Ein Kerl, so lappig und so schmächtig,

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So gänzlich ohne Witz und Mark!

Und dennoch herrscht er fast allmächtig;
Wer ihn besiegt, ist löwenstark.

O läg’ er lieber doch zerschlagen,
Zerquetscht auf einer Eisenbahn!

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»Wie heisst er denn?« – Ich will’s euch sagen:

Es ist – der alte Schlendrian.

Friedr. v. Sallet.
(1812-1843.)     






Skat.

Und als an das blaue Meer ich trat,
Da standen drei Männer drinnen,
Die spielten während des Badens Skat,
Und einer schien zu gewinnen.

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Der Skat dabei auf dem Wasser schwamm,

Mich aber dünkte das wundersam.

Und als ich kam in die Baumannshöhl’,
Da fand ich wider Erwarten
Drei Männer unten, bei meiner Seel’,

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Dasitzend über den Karten.

Die reizten einander beim Grubenlicht –
Ich ging davon, mir gefiel das nicht.

Und als ich kam auf des Faulhorns Höh’,
Wohl über Klippen und Grate,

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Da fand ich drei Männer im ewigen Schnee,

Die sassen schon lange beim Skate.
Der eine gab schon zum hundertsten Mal –
Da floh ich schaudernd hinab ins Thal.

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 174. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/180&oldid=- (Version vom 31.7.2018)