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Allein sie sprach: »Das geht nicht gut;
Er steckt mir so in Fleisch und Blut,

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Dass ich zum Beispiel meinen Mann

Am Freitag nicht betrügen kann.«

Arthur Pserhofer.






Der Spiegel.

Dort im Entree bei Excellenz
Häng’ ich an einer Wand,
Und niemand ahnt wohl, was ich dort
Für Unterhaltung fand.

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An beide Seiten hat man mir

Zwei Wandleuchter gehängt,
Damit auch jeder Gegenstand
Sich strahlend in mir fängt.

Des Freitags ist – wer weiss warum?

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Bei Excellenz jour fix;

Da kommen Damen und viel Herr’n
Im allerhöchsten Wichs.

Der Diener nimmt die Mäntel ab,
Die Zofe hilft dabei;

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Dann zupft sich jeder erst zurecht

Und treibt noch mancherlei.

Ist dieses Mancherlel besorgt,
Tret’ ich erst in Aktion –
Man dreht die Leuchter vorteilhaft

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Und geht zur Revision.


Herr Leutnant Kurt von Tittchentei
Sich stets vor mir erst schnäuzt;
Zwei kleine Bürstchen holt er ’raus,
Die Beine stehn gespreizt.

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Der Schnurrbart und das Kopfhaar wird

Nach rechts und links gepflügt.
Genug! Monocle fest! Ein Blick!
Er geht und lacht vergnügt. –

Herr Egon Versler, Litterat

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Und Dichter von Beruf,

Der jedes Jahr ein Trauerspiel
Und zehn Pfund Lyrik schuf,

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 166. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/172&oldid=3303840 (Version vom 31.7.2018)