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Wenn es galt ein Flüsterpiano,

Schien er, mit gespreizten Fingern
Wehrend, in die Kniee knickend,
Sich zum Zwerge zu verringern.

Dann, Fortissimos entfesselnd,

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Reckt’ er ängstlich hoch die Pranken,

Fast als wuchtet’ er herkulisch
Auf der Sündflut Schleusenplanken.

Kurz er that, als ob er alles
Mit grotesker Sinnbild-Geste,

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Start aus Instrumenten, magisch

Aus dem eignen Leibe presste.

Wilh. Jordan.







Frauentypen.


     Die Herzlose.

Sie war bedacht mit allen Gaben,
Mit Schönheit, Geist und Witz; – allein,
Wo andre ihre Herzen haben,
Da sass bei ihr ein grosser Stein.

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Sie glaubte nicht an reine Neigung,

Sie leugnete der Liebe Macht,
Und über jede Gunstbezeigung
Hat unbarmherzig sie gelacht.

»Nur der«, so rief sie einst beim Plaudern,

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Könnt’ brechen meinen Widerstand,

Der unverzüglich, ohne Zaudem
Mir opfern würde seine Hand.«

Als tags darauf ein Jüngling, schaurig,
Mit abgehau’ner Hand erscheint,

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Sagt lächelnd sie zu ihm: »Wie traurig! –

Ich hab’ die andere gemeint«



     Die Gutmütige.

Im Gatte hat mit Schmerz gehört,
Dass sie ihn kürzlich hat betrogen;
Er ist entrüstet und empört,

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Es wallen seines Zornes Wogen.
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 164. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/170&oldid=- (Version vom 31.7.2018)