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Indessen auf der Ehrenleiter

110
     Steigt er empor zur Excellenz –

Und sie verknöchert immer weiter
     Mit der ihr eignen Konsequenz.

Dafür hat man sich nun geschunden,
     Dafür biereifrig stets gestrebt!

115
Die roten Adern unterbunden –

     Mit zweiunddreissig ausgelebt!

War man zur Herrlichkeit geboren,
     Nicht auch wie jener Lieutenant?
Zum Rosenbrechen nicht erkoren?

120
     Den Erdengöttern nicht verwandt?


O heil’ger Brahma! welch Entzücken
     In dieser Welschlands-Ueppigkeit
Ein süsses Weib ans Herz zu drücken,
     Sei sie auch nur Bedienungsmaid!

125
Heiliger Bimbam! o wie wollt’ er …

     Da zupft die Gattin ihn am Rock.
»Hier, Otto!« … unterschreiben sollt er
     Der Ansichtskarten erstes Schock.

»Ach, bitte, schreib nach Posemuckel

130
     An Tante Jettchen einen Gruss –

Weisst du nicht mehr? Die mit dem Buckel
     Und mit dem etwas kurzen Fuss.

Er unterschreibt. Ein blöd Gethue.
     Sie lächelt dumm, er lacht gequält. –

135
Und dann begiebt er sich zur Ruhe

     Mit ihr, die er sich auserwählt.

Ernst von Wolzogen.





Wer weiss.

Die Schwalben sitzen in langen Reihen
Hoch auf dem Telegraphendraht;
Sie zwitschern, als ob sie versammelt seien
Zu einem grossen Familienrat. –


Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 156. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/162&oldid=3303829 (Version vom 31.7.2018)