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Das Krokodil zu Singapur.

Im heil’gen Teich zu Singapur
Da liegt ein altes Krokodil
Von äusserst grämlicher Natur
Und kaut an einem Lotosstiel.

5
Es ist ganz alt und völlig blind,

Und wenn es einmal friert des Nachts,
So weint es wie ein kleines Kind,
Doch wenn ein schöner Tag ist, lacht’s.

Hermann Lingg.





Bacchus.

Ich habe den Vater der Lieder,
Den freundlichen Bacchus gesehn.
Steh! rief er und taumelte nieder;
Der Wankende konnte nicht stehn.

5
Ich reicht’ ihm die helfenden Hände:

Ach, aber, wie war er so schwer!
Ich fiel, und da sagt’ er, er fände,
Ich sei noch berauschter als er.

Der boshafte Vater der Wahrheit

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Betrog sich für diesmal gewiss.

Ich sah ja mit völliger Klarheit,
Dass er nur zu Boden mich riss.
Doch, um ihn nicht Lügen zu strafen,
Und weil er sich selten betrügt:

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Bin ich gleich gefällig entschlafen, –

Und eben erwach ich vergnügt!

Johanne Charlotte Unzer.
(1722–1782.)





Das Heilserum.

     Nun ist besiegt der Menschheit Leid!
Ein Serum ward geschaffen,
Das gegen Spitz und Kater feit,
Unmöglich macht die Affen.

5
Es ist Bacill-Anti-Toxin

Und heisst mit Namen »Katerlin
     O jerum, jerum, jerum,
     Hoch leb’ das neue Serum!


Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 138. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/144&oldid=- (Version vom 31.7.2018)