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Der Spittelleute Klagelied.

Wir armen Spittelleute,
Was haben wir zu thun!
Wir müssen morgens früh aufstehn,
Und wenn wir das Gebet gesprochen,

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Zwei Eimer Wasser holen gehn

Und unsre Morgensuppe kochen.

Wir armen Spittelleute,
Was haben wir zu thun!
Dann müssen wir um halber zehn

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An unser Tagewerk gleich schreiten,

Und wied’rum an dem Herde stehn
Und unser Mittagsmahl bereiten.

Wir armen Spittelleute,
Was haben wir zu thun!

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Kaum ist das Mahl genommen ein,

Kaum kann man sich des Schlafs erwehren,
Gleich muss man wieder munter sein,
Das Vesperbrötchen zu verzehren.

Wir armen Spittelleute,

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Was haben wir zu thun!

Ist nun auch endlich das geschehn,
So wird es Abend unterdessen;
Wir möchten gern zu Bette gehn,
Und müssen noch zu Nacht erst essen.

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Wir armen Spittelleute,

Was haben wir zu thun!
Gottlob, bald endigt sich die Not!
So denkt man wohl, o ja – mit nichten!
Wir müssen nach dem Abendbrot

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Erst unsre Andacht noch verrichten.


Wir armen Spittelleute,
Was haben wir zu thun!
Nun ist es doch zum Ausruhn Zeit!
O nein! wir dürfen noch nicht schlafen;

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Der Spittelmeister lärmt und schreit:

Erst reinigt Teller, Krug und Hafen!

Heinr. Hoffmann von Fallersleben.


Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 124. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/130&oldid=3303795 (Version vom 31.7.2018)