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Zweierlei.

Des Morgens tat sie sehr empört,
Als ihren schönen, weissen Arm
Entblösst zu sehen ich begehrt,
Und grollte mir in bitt’rem Harm.

5
Des Abends kam sie dekolletiert,

Trug Nacken, Busen, Arme bloss
Und kokettierte ungeniert
In ihrer Tänzer reichem Tross.

J. Leusser.





Sie geht in aller Frühe.

Sie geht in aller Frühe,
Noch eh’ die Dämm’rung schwand,
Den Weg zur Tagesmühe
Im ärmlichen Gewand.

5
Die dunkeln Nebel feuchten

Noch in der Strasse dicht,
Sonst sähe man beleuchten
Ein Lächeln ihr Gesicht.
Die Götter mögen wissen,

10
Warum sie heimlich lacht –

Es weiss es nur das Kissen,
Drauf sie geträumt heut’ Nacht.

Hermann Lingg





Das Lied vom welken Herzen.

Sie trug bunte Blumen im braunen Haar,
     Die waren verblüht,
In ihrer jungen Brust das Herz
     War welk und müd.

5
Wem sollte sie reichen die Blumen vom Haar?

     Sie blühten nicht mehr.
Wem sollte sie geben ihr Herz, ihr Herz,
     So leer – so schwer?


Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 102. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/108&oldid=3303773 (Version vom 31.7.2018)