Seite:Die Perlenfischerei im Voigtlande.pdf/107

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

auch gethan habe. Wahrscheinlich seien sie aber vom Ungeziefer, von Raubvögeln, als Krähen u. s. w., oder vom Fuchs, den er schon verschiedentlich im Mühlgraben angetroffen, herausgetragen worden, wie bei geringem Wasserstande leicht geschehen könne.“ Da man gegen diese Ausrede Amtshalber wenig einzuwenden hatte, indem Reinicke zur Vernehmung über seine Dieberei an Amtsstelle nicht erschienen war, auch sonst keine Anzeichen zu einem culpösen Angriff auf die Perlenmuscheln von Seiten der Müller, Gebrüdere Reichenbach vorlagen, so wurden sie mit einer Warnung und Anweisung, wie sie sich künftig dabei zu verhalten hätten, ohne Strafen entlassen.

Ernsterer Art war ein Frevel, der im Mai des Jahres 1681 an den Perlenmuscheln im Bösenbrunnerbach begangen ward und wovon in den amtlichen Urkunden Frevel an den Perlenmuscheln im Bösenbrunner Bach.Folgendes gemeldet wird: Am 10. Mai gen. Jahres erschien der Perlensucher Johann Schmirler auf dem hochfürstlichen Amte Voigtsberg und zeigte an, „sein Vater, Abraham Schmirler, habe den Tirbler Bach begangen und sei unter anderen zum Müller zu Triebel gekommen. Hier sei nun die Rede vom Perlenfischen gewesen und bei dieser Gelegenheit habe des Müllers Töchterlein gesagt, sie besitze auch eine Perle, welche ihr Abraham Hackenschmidts Mägdelein gegeben; diese habe derselben fünf gehabt und solche aus dem Bache gefunden. Die Muscheln habe sie aus dem Bache ins Holz getragen, daselbst aufgeschlagen und die Perlen herausgenommen, welches die Müllerin auch gesehen haben sollte. Gestern, den 9. Mai, sei der alte Abraham Hackenschmidt zum Perlensucher aufs Rathhaus in Oelsnitz kommen und habe ihm drei unreife Perlen gebracht, mit der Angabe: er habe das Mägdlein fast übel gehalten, daß sie in den Bach gegangen; hier bringe er die Perlen und bitte, er möge es dabei bewenden lassen und ihn in keine Ungelegenheit bringen. Auf

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottlieb Jahn: Die Perlenfischerei im Voigtlande. Selbstverlag des Verfassers, Oelsnitz 1854, Seite 99. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Perlenfischerei_im_Voigtlande.pdf/107&oldid=- (Version vom 18.8.2016)