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Friedrich Gerstäcker: Der Herr von der Hölle. Eine zweifelhafte Geschichte.

Von Herrn von Goldstein nahm Niemand mehr Notiz und der unglückliche Künstler entfernte sich endlich, ohne daß ihm auch nur Jemand für seinen Gruß gedankt hätte.

Auf der Treppe noch begegnete er einem andern Herrn, der aber weit zuversichtlicher auftrat. Er war ebenfalls etwas auffallend gekleidet, hatte aber ein intelligentes, scharfgezeichnetes Gesicht und jedenfalls Selbstvertrauen. Er klopfte auch gar nicht an, sondern öffnete die Thür und schritt direct auf den immer noch mit Durchsehen der Briefe beschäftigten Köser zu, ohne selbst seinen Hut abzunehmen.

„Lieber Köser – guten Morgen.“

„Ah, Herr Bomeier“, sagte Herr Köser, indem er ihm die noch ungewaschene Hand reichte, die der Fremde aber im Schutz seiner Glacéhandschuhe kräftig schüttelte – „Sehr angenehm, Sie bei mir zu sehn, ging ja famos gestern Abend, wie ich gehört habe – und noch dazu ein neues Stück – allen Respect, die Direction wird glücklich sein, Sie zu gewinnen.“

„Bitte, lieber Köser – keine Complimente“, sagte der gefeierte Künstler lächelnd – „es machte sich. Habe auch mein Engagement schon gestern Abend noch mit der Direction abgeschlossen, eben Contract unterzeichnet und wollte Sie nur bitten mich von jetzt an als Abonnenten Ihres geschätzten Blattes zu betrachten – Hier im Couvert finden Sie meine Adresse – nicht wahr, das Abonnement wird vierteljährlich pränumerando bezahlt?“

„Ist so Usus, verehrter Herr.”

„Schön – ich habe für das erste Quartal den Betrag gleich eingeschlossen.”

Herr Köser befühlte mit seinen zwei Fingern das Couvert.

„Sehr dankbar – soll Ihnen pünktlich zugesandt werden.“

„Also guten Morgen lieber Köser – ich habe noch viel zu thun.“

„Das glaub’ ich, Herr Bomeier – das glaub’ ich – sehr angenehm gewesen“ und mit seiner linken Hand den Schlafrock vorn etwas zuhaltend begleitete er den Herrn bis halb durch sein Comptoir oder ging wenigstens mit einer achtungsvollen Verbeugung hinter ihm her, was den beiden Schreibern so imponirte, daß sie ebenfalls von ihren Drehstühlen aufstanden und sich verbeugten.

Herr Köser hatte kaum Zeit gehabt auf seinen Platz zurückzukehren und einen Blick in das Couvert zu werfen, aus dem ihm eine angenehm gelbe preußische 25 Thlr. Note entgegenlächelte, als sich die Thür schon wieder öffnete und das schwere Rauschen eines Kleides den beschäftigten Mann auf einen Damenbesuch vorbereiten konnte. – Herr Köser war nun eigentlich noch nicht in Toilette und jeder andere Mensch wäre dadurch in Verlegenheit gerathen, nicht aber der Theater-Agent. Damenbesuch war bei ihm etwas viel zu Allgewöhnliches, um irgend welche Rücksicht darauf zu nehmen und wenn selbst Niemand Geringeres als die gefeierte Primadonna zu ihm hereinrauschte.

Herr Köser, der seine Briefe wieder aufgenommen hatte, blieb ruhig

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Friedrich Gerstäcker: Der Herr von der Hölle. Eine zweifelhafte Geschichte. A. H. Payne, Leipzig 1870, Seite 403. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Herr_von_der_Hoelle-Gerstaecker-1870.djvu/19&oldid=- (Version vom 14.2.2021)