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ihm solches den Muth ein, sich dem Betteln zu ergeben.

Das Kirchweihfest ist das Verderben der meisten Dienstknechte. Wo kein erwachsener Sohn im Hause ist, muß der Knecht um die Linde herum tanzen. Nun könnte er sich freylich in der Folge einschränken. Wie ist aber dieses von einem Menschen, den die Macht der Sinnlichkeit beherrscht, zu erwarten? Die Kirchweihlust verschlingt so viel von seinem Liedlohn, daß er am Ende seines Dienstes fast nichts mehr einzunehmen hat[.] Und wenn er auch noch etwas weniges übrig hat, vertanzt er solches, bis er wieder in einen neuen Dienst tritt.

Alle diese übeln Folgen wären noch zu verschmerzen, wenn nur die Kirchweihlust keine bösen Folgen oder Einfluß auf das Verderben der Sitten hätte. Das Tanzen gründet sich auf herrschaftlichen Befehl. Die jungen Leute sind demnach nicht davon abzuhalten. Die unschuldigsten Herzen und Gemüther werden dadurch verdorben. Die Bauernpursche singen den Musikanten die schändlichsten Lieder vor. Das Ohr eines unschuldigen Mädchens gewöhnt sich daran. Wenn es beginnt bald Tag zu werden und der Tanz zu Ende gehen will, so begleitet

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Anonym: Das Kirchweihfest in: Journal von und für Franken, Band 1. Raw, Nürnberg 1790, Seite 556. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Kirchweihfest.pdf/10&oldid=- (Version vom 31.7.2018)