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Gattungen von Wasserkäfern sind sie mit einem runden platten Saugapparate ausgerüstet, so dass das Männchen sich an dem schlüpfrigen Körper des Weibchens festhalten kann. Es ist ein viel ungewöhnlicheres Vorkommen, dass die Weibchen mancher Wasserkäfer (Dytiscus) ihre Flügeldecken tief gefurcht und bei Acilius sulcatus dicht mit Haaren besetzt haben, als Halt für das Männchen. Die Weibchen einiger anderer Wasserkäfer (Hydroporus) haben ihre Flügeldecken zu demselben Zweck puncturirt.[1]

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Fig. 9. Crabro cribrarius.
Obere Figur das Männchen, untere Figur das Weibchen.

Bei dem Männchen von Crabro cribrarius (Fig. 9) ist es die Tibia, welche in eine breite hornige Platte mit äusserst kleinen häutigen Flecken erweitert ist, wodurch sie ein eigenthümliches siebartiges Ansehen erhält.[2] Bei den Männchen von Penthe (einer Gattung der Käfer) sind einige wenige der mittleren Antennenglieder erweitert und an der unteren Fläche mit Haarkissen versehen, genau denen an den Tarsen der Carabiden gleich „und offenbar zu demselben Zwecke“. Bei männlichen Libellen sind die Anhänge an der Spitze des Schwanzes in „einer fast unendlichen Verschiedenartigkeit zu merkwürdigen Formen modificirt, um sie fähig zu machen, den Hals des Weibchens zu umfassen“.

Endlich sind bei den Männchen vieler Insecten die Beine mit eigenthümlichen Dornen, Höckern oder Spornen besetzt oder das ganze Bein ist gebogen oder verdickt — (dies ist aber durchaus nicht unabänderlich ein sexueller Character); — oder


  1. Wir haben hier einen merkwürdigen und unerklärlichen Fall von Dimorphismus; denn einige Weibchen von vier europäischen Species von Dytiscus und gewisser Species von Hydroporus haben glatte Flügeldecken; und intermediäre Abstufungen zwischen gefurchten oder puncturirten und völlig glatten Flügeldecken sind nicht beobachtet worden, s. Dr. H. Schaum, citirt im „Zoologist“ Vol. V—VI, 1847—48. p. 1896; auch Kirby und Spence, Introduction to Entomology. Vol. III. 1826, p. 305.
  2. Westwood, Modern Classification of Insects. Vol. II. p. 193. Die folgende Angabe in Bezug auf Penthe und andere in Anführungszeichen mitgeteilte sind aus Walsh, Practical Entomologist. Philadelphia. Vol. II, p. 88 entnommen.
Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, I. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875, Seite 362. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch1.djvu/376&oldid=- (Version vom 31.7.2018)