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939 Söhne bin; ich habe nur eine kleine noch unmündige Tochter, die nach meinem Ableben mich beerben soll. Es gefalle also dem Könige, meinem Herrn, daß ich seinen kleinen Sohn, den Liutolf, an Kindes Statt annehme, damit er sich mit meiner einzigen Tochter vermähle, und nach meinem Tode ihm die ganze reiche Erbschaft zufalle.“ Diser Rath gefiel dem Könige wohl, und er erfüllte die Bitte ohne Zögern[1].

um 941 9. Während dieses geschah, wurden die Gebirge, von welchen Italien im Nordwesten umgeben ist, von den Sarazenen, die in Fraxinetum wohnen, in grausamster Weise verwüstet. Deshalb berieht sich König Hugo mit seinen Räthen und sandte Boten nach Konstantinopel, durch welche er den Kaiser Romanós bat, ihm Schiffe mit griechischem Feuer zu schicken, welche die Griechen in ihrer heimischen Sprache Chelandien nennen. Das that er aber zu dem Zweck, damit, während er zu Lande zur Zerstörung von Fraxinetum auszöge, die Griechen sie von der Seeseite belagern und ihre Schiffe verbrennen sollten, wie auch sorgfältig Acht geben, daß ihnen nicht aus Hispanien Lebensmittel oder Mannschaften zu Hülfe geschickt würden.

941 10. Inzwischen ließ sich Berengar, der Bruder des Anscarius[2] und Markgraf von Ivrea, in geheime Anschläge wider den König ein. Der König erfuhr es, verbarg aber seinen Zorn und zeigte ihm das größte Wohlwollen, in der Absicht, ihn, wenn er zu ihm käme, des Augenlichts zu berauben. Allein des Königs Sohn, Lotahr, der noch klein war und nicht wußte was ihm ersprießlich sei, vermochte es, als ein Knabe, nicht, diesen Entschluß, bei dessen besprechung er zugegen gewesen war, gehim zu halten, sondern schickte einen Boten an Berengar, und gab ihm zu wissen was sein Vater mit ihm vorhabe. Auf

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 79. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/99&oldid=- (Version vom 10.4.2018)
  1. Wir übergehen die italienischen Geschichten bis zu Berengars Aufstand gegen König Hugo.
  2. Von dem Liudprand in den ausgelassenen Kapiteln erzählt hat, wie Hugo ihm erst die Mark von Camerino und Spoleto gab, dann aber ihn verrätherisch umbringen ließ.