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Namens Adelheid, welche durch hohe Schönheit ausgezeichnet, und durch ihren trefflichen Wandel bei allen beliebt war. Die Griechen halten das freilich für unschicklich und meinen, wenn der Vater die Mutter zum Weibe nehme und beide ein Leib werden, so könne der Sohn nicht ohne Sünde die Tochter heimführen.

15. Zu dieser Zeit ward König Heinrich in einer Burg, die an der Grenze der Thüringer und Sachsen liegt und Memleben heißt, von einer schweren Krankheit befallen, und ging ein zum Herrn. Sein Leichnam wurde nach Sachsen gebracht, und hier in einem Kloster edler und frommer Frauen, welches auf einem Gutes des Königes, mit Namen Quedlinburg, gelegen ist, in der Kirche mit großer Ehrfurcht beigesetzt. Daselbst ist seine ehrwürdige Gattin, die Genossin seiner Herrschaft, Mathilde, demselben Volke entsprossen, eifriger als irgend eine Frau, die ich je gesehen oder von der ich gehört habe, ohne Unterlaß bestrebt, zur Sühne seiner Sünden feierliche Todtenämter halten zu lassen und sich selbst zum dem Herrn als lebendes Opfer darzubringen. Sie hatte ihrem Gemahl, ehe dieser König war, einen Sohn geboren, den sie Otto nannte; diesen Otto nämlich, dessen Macht jetzt den Norden und den Westen der Welt beherrscht, der sie durch seine Weisheit befriedet, durch seine Frömmigkeit erfreut und durch die Strenge seiner Gerechtigkeit in Furcht erhält. Nach der Königswahl aber gebar sie ihrem Gemahl zwei Söhne, von welchen sie den einen nach dem Vater, Heinrich nannte. Dieser war von seinem Geiste, klug im Rathe; die Schönheit seiner Züge gewann ihm die Herzen, und im Blick seines Auges verband sich wachsame Lebhaftigkeit mit Milde. Noch vergießen wir reichliche Thränen um seinen kürzlich (955 Nov. 1.) erfolgten Tod. Der dritte Sohn endlich ist Bruno, welchen sein frommer Vater, als die Kirche zu Utrecht von den Nordmannen gänzlich zerstört worden war, dem Dienste

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 57. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/77&oldid=- (Version vom 23.12.2017)