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gekommen war, daß Sergius als Nachfolger der Apostel geweihet werden sollte, erhoben sich die Anhänger des Formosus, vertrieben unter gewaltigem Lärm und vielen Mißhandlungen den Sergius vom Altar, und setzten den Formosus zum Papst ein.

30. Und Sergius ging hinab nach Tuscien, um bei dem mächtigen Markgrafen Adelbert Hülfe zu suchen, die er auch fand. Denn nach dem Tode des Formosus[1], und als auch Arnulf in seiner Heimath gestorben war, wurde der zum Nachfolger des Formosus ernannte Papst vertrieben, und Sergius durch Adelbert an dessen Stelle gesetzt[2]. Dieser, als ein gottloser und der heiligen Lehren der Kirche unkundiger Mann, ließ den Formosus aus seinem Grabe hervorziehen, und befahl, ihn mit priesterlichen Gewändern angethan auf den Stuhl der päpstlichen Würde zu setzen. Dann sprach er zu ihm: „Mit welchem Rechte hast du, da du Bischof von Porto warst[3], von Ehrgeiz getrieben, den römisch-apostolischen Stuhl zu besteigen dich vermessen?“

Hierauf ließ er dem todten Körper die heiligen Gewänder wieder abnehmen, drei Finger von der Hand abhauen, und ihn in den Tiber werfen; alle Geistlichen aber, welche Formosus geweiht hatte, entsetzte er ihrer Würde, und weihete sie dann aufs Neue. Wie unrecht er hieran gethan, wirst du, ehrwürdiger Vater, daraus abnehmen, daß nicht einmal diejenigen, welche von Judas, dem Verräther unsers Herrn Jesus Christus, vor seinem Verrathe den apostolischen Gruß oder Segen empfangen hatten, desselben verlustig wurden, als Judas den Verrath beging und sich selber erhing; es wäre denn daß sich

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Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig ohne Jahr, Seite 18. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/38&oldid=- (Version vom 9.9.2017)
  1. Am 4. Mai 896.
  2. An des Formosus Stelle erhielt zuerst Bonifacius VI und aldann Stephan VI den heiligen Stuhl. Dieser war es, und nicht Sergius, welcher den Leichnam des Papstes Formosus ausgraben und in den Tiber werfen ließ. Sergius ward erst 897 erwählt, 898 vertrieben, und 904 zum zweiten Male durch Adelbert eingesetzt, worauf er alle Handlungen des Formosus von neuem für ungültig erklärte.
  3. Die Kirchengesetze verboten, ein Bisthum mit dem andern zu vertauschen.