Seite:Aus Liudprands Werken.pdf/28

Diese Seite wurde noch nicht korrekturgelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du auf dieser Seite.

dergestalt geschieden, daß es weder nach Süden noch nach Westen auszurücken vermochte. Zu derselben Zeit herrschte, nach Karls des Kahlen[1] Tode, der mächtige König Arnulf über die Baiern Schwaben, die deutschen Franken[2], die Lotharinger und die kühnen Sachsen. Gegen ihn kämpfte mit tapferem Muthe Centebald, der Herzog der Mährer. Die Kaiser Berengar und Wido stritten um die Herrschaft in Italien, und Formosus, Bischof der Stadt Porto[3], saß auf dem päpstlichen Stuhl zu Rom. Nun aber wollen wir, so kurz wir nur können, erzählen, was sich unter jedem dieser Fürsten zugetragen hat.

13. Da Arnulf, der tapfere König der nördlichen Völker, den obenerwähnten Centebald, Herzog der Mährer, der ihm mannhaft widerstand, nicht bezwingen konnte: so zerstörte er, o Jammer! jene starken Schutzwehren, die, wie wir oben gesagt haben, gewöhnlich Klausen genannt werden, und rief die Ungern zu Hülfe[4]; dieses habsüchtige, verwegene Volk, welches den allmächtigen Gott nicht kennt, mit allen Freveln aber vertraut ist, und nur nach Mord und Raub trachtet, rief er zu Hülfe; wenn das anders Hülfe genannt werden kann, was bald nachher, als Arnulf starb, seinem Volke sowohl, wie den übrigen im Süden und Westen wohnenden Nationen, schwere Gefahr, ja Verderben, brachte. Was geschieht also? Centebald wird besiegt, unterworfen, zinspflichtig; aber nicht er allein. O blind

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig ohne Jahr, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/28&oldid=- (Version vom 8.9.2017)
  1. Der Verf. verwechselt diesen, ebenso wie Widukind, mit Karl dem Dritten, den man gewöhnlich den Dicken nennt.
  2. Die deutschen Franken im Gegensatz zu den romanischen Franken.
  3. Bei Ostia.
  4. Man fabelte schon in alter Zeit von den ehernen kaspischen Pforten, hinter denen Alexander der Große die wilden Völker Gog und Magog eingesperrt habe; diese Vorstellung wurde nun auf die Ungarn angewandt. Schon in den Jahrbüchern von St. Gallen heißt es, daß Arnulf dieselben aus ihrem Gefängniß losgelassen habe; Widukind in der Sachsengeschichte I, 19 spricht von einem großen Walle, mit dem Karl der Große sie umschlossen habe. Das sind alles grundlose Fabeln, und es ist kein sicherer Grund anzunehmen, daß Arnulf die Ungarn überhaupt gerufen habe; sie bedrängten durch ihre Raubzüge dei Mährer und Arnulf machte in seinen Kriege gegen diese gemeinschaftliche Sache mit ihnen.