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963 wenn der Herr Papst es auf andere Weise nicht glauben wolle, die Wahrheit durch einen Zweikampf zu erhärten. Die erwähnten Bischöfe Landward und Liudprand begaben sich also nach Rom zu dem Herrn Papste, und wurden von diesem so mit Unehren empfangen, daß es ihnen nicht entgehen konnte, welchen Widerwillen er gegen den heiligen Kaiser hegte. Doch trugen sie der Ordnung gemäß vor, was ihnen aufgetragen war; allein der Papst wollte weder ihren Eid noch den Zweikampf der Ritter als genügende Rechenschaft annehmen, sondern beharrte in seiner Herzenshärtigkeit. Arglistiger Weise aber sandte er mit ihnen nach acht Tagen den Bischof Johannes von Narni und den Kardinaldiakon Benedictus an den Herrn Kaiser ab, in der Hoffnung durch seine Listen ihm etwas vorspiegeln zu können, ihn der so gar schwer durch schöne Worte sich täuschen läßt. Ehe aber diese zurückkehrten, kam Adalbert auf Einladung des Papstes von Fraxinetum nach Centumcellä[1]; von hier begab er sich nach Rom, wo der Papst ihn nicht wie es doch sein Pflicht war, abwies, sondern ehrenvoll aufnahm.

Juli

8. Während dieses geschah, hielt von

Phoebus Strahlen des Krebses Bild
Ganz durchglühet und drückend heiß[2]

Septbr. den Kaiser fern von den römischen Burgen. Aber als das wiederkehrende Gestirn der Jungfrau die Hitze wohltätig linderte, da sammelte er sein Heer und zog, von den Römern heimlich eingeladen, vor die Stadt Rom. Doch was rede ich von heimlicher Einladung, da der größere Theil des römischen Adels sich des Kastells Sanct Pauls[3] bemächtigt hatte, und den geheiligten Kaiser sogar mit Stellung von Geiseln einlud? Wozu noch viele Worte? Oktbr. Der Kaiser bezieht ein Lager vor

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 111. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/131&oldid=- (Version vom 25.4.2019)
  1. Civita Becchia, die Hafenstadt Roms.
  2. Boethius vom Trost der Philosophie I, 6.
  3. Die von Johann VIII zum Schutze der Paulskirche an der Via Ostiensis erbaute Befestigung, welche er Johannipolis nannte.